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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Eröffnen die 100. Donaueschinger Musiktage mit Hindemith und Laskowski: Das Quatuor Diotima ©François Rousseau

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Neue Musik - immer nach vorne

Am 31. Juli 1921, um 11 Uhr 30 und damit zu einer Uhrzeit, als die sonntäglichen Kirchengänger gerade zum Frühschoppen aufbrachen, tat sich musikalisch erstmals etwas Gewagtes im beschaulichen Donaueschingen. Von dem tschechischen Komponisten Alois Hába wurde sein Streichquartett op. 4 uraufgeführt; gefolgt von der Weltpremiere von Ernst Kreneks Serenade für Klarinettenquartett. Was die Einheimischen des am Rande des Schwarzwalds gelegenen Residenzstädtchens von diesen merkwürdig fremden Klängen mitbekommen haben, ist nicht dokumentiert. Immerhin wurde mit diesem Kammerkonzert das bis heute renommierteste Neue Musik-Festival begründet. Damals fanden die „Donaueschinger Musiktage“ noch Ende Juli und Anfang August statt. Seit der Nachkriegszeit pilgern Jahr für Jahr mitten im Oktober Ströme von Komponisten, Neue Musik-Fans und Fachjournalisten hierher, um sich drei Tage lang auf den neuesten Stand der Gegenwartsmusik bringen zu lassen. Und das inzwischen seit Jahrzehnten, in denen all die Stockhausens und Strawinskis, die Berios, Schnebels, Kagels und Pendereckis hier mit frischen Partituren für Aufsehen und oftmals mächtig Aufregung sorgten. Wie etwa auch Pierre Boulez, dessen Orchesterwerk „Polyphonie X“1951 beim kritischen Publikum mit Pauken und Trompeten durchrasselte.
Genau 70 Jahre später nun steht dieses provokante Opus wieder auf dem Programm der von Björn Gottstein letztmalig geleiteten Donaueschinger Musiktage (14. bis 17. Oktober; www.donaueschingen.de). Dass ein bereits gespieltes Werk nun erneut gewürdigt wird, passt eigentlich nicht zum Grundton dieses Festivals. Doch die diesjährige Ausgabe richtet diesmal den Fokus nicht nur aufs Hier und Jetzt bzw. die Zukunft der Musik. Angesichts des 100. Festival-Geburtstags darf man schon einmal ein wenig in die eigene Geschichte zurückblicken. Und so erklingt neben „Polyphonie X“ gleich zu Beginn, im Festaktkonzert, auch Paul Hindemiths 3. Streichquartett, das ebenfalls 1921 aus der Taufe gehoben worden war. 100 Jahre später kombiniert das formidable Quatuor Diotima das Stück mit der Uraufführung eines Streichquartetts des Polen Mikołaj Laskowski.
Überhaupt ist das nun erstmals auf vier Festival-Tage angewachsene Neue Musik-Meeting wieder prallvoll an Novitäten. 27 Uraufführungen und acht Klanginstallationen stehen da zu Buche. Wobei neben der klassischen Ultra-Moderne auch avancierter Jazz sowie Exotisches bis Weltmusikalisches Platz finden. In Orchester- und Kammerkonzerten präsentieren u.a. das SWR Symphonieorchester und das JACK Quartet Stücke u.a. von Enno Poppe, Liza Lim, Beat Furrer und Rebecca Saunders. Zwischen Jazz und Klangkunst bewegt sich das Duo Thomas Lehn und Marcus Schmickler. Und mit dem Omnibus Ensemble aus Tashkent gastiert das Neue-Musik-Labor Zentralasiens.
„Man kann 100 Jahre Donaueschingen nur feiern, indem man Experimente, Unvollendetes und Unabgeschlossenes auf die Bühne bringt“, so Björn Gottstein. Was das Geplante angeht, dürfte die Feier gelingen.

Guido Fischer



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