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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Die Gala der Preisverleihungen im Berliner Konzerthaus wird am 10. Oktober stattfinden © Monique Wuestenhagen

Pasticcio

(Fast) anti-glamourös!

Egal, welche Kultur- und Kunstbranche sich öffentlichkeitswirksam feiert – ohne die Prominenz, von denen selbst Lieschen Müller schon mal etwas gehört hat, geht es nicht. Und so gehört zu den diesjährigen Preisträgern des zum vierten Mal vergebenen Klassikpreises „OPUS Klassik“ auch Lang Lang, dieser chinesische Tastenflitzer, der für seine Einspielung der Bachschen „Goldberg-Variationen“ ausgezeichnet wird. Ob Lang Lang sich zudem höchstpersönlich den Preis abholen wird, am 10. Oktober im Berliner Konzerthaus und vor laufenden TV-Kameras, steht zwar noch nicht fest. Aber für die Quote müsste das schon irgendwie zu organisieren sein.
Zwar gibt es unter den weiteren 47 Preisträgern immerhin auch solche Bestseller wie die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva (Sängerin des Jahres), den polnischen Tenor Piotr Beczała (Sänger des Jahres) und Tenor Jonas Kaufmann für die beste Operneinspielung. Trotzdem zeugt die Liste der Geehrten und Ausgezeichneten diesmal auch vom Willen der Jury, vor allem Aufnahmen zu küren, die nun wirklich besonders, ausgefallen und daher unbedingt hörenswert sind. Darunter finden sich gleich zwei anspruchsvolle Neue Musik-Aufnahmen. Das Frankfurter Ensemble Modern wird für seine Doppel-CD „Beschenkt – 40 Miniaturen zum Jubiläum“ geehrt, auf dem 2020 namhafteste Komponisten dem Ensemble zum 40. Geburtstag mit etwas anderen Ständchen gratuliert haben, etwa Peter Eötvös, Brian Ferneyhough und Heinz Holliger – aber auch die Österreicherin Olga Neuwirth. Und Neuwith ist es nun gleichfalls, die den Preis „Komponistin des Jahres“ für ihren Soundtrack zum Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ ausgezeichnet wird.
Unter den vielen anderen Gewinnern finden sich aber weitere Solisten und Ensembles, die selbst Altbekanntes so gar nicht von der Stange bieten, sondern ganz neue Hörperspektiven. Klarinettist Jörg Widmann hat das zusammen mit Pianist András Schiff mit einem Brahms-Album bewiesen. An die Starkstromdose hat die Geigerin Patricia Kopatchinskaja Vivaldi angeschlossen. Das Klavier-Duo Tal & Groethuysen verblüfft mit einer Neufassung von Bachs „Kunst der Fuge”, die der zeitgenössische Komponist Reinhard Febel eingerichtet hat. Und das Ensemble Mini erhält ebenfalls einen Preis für die Einspielung von Mahlers 10. Sinfonie in der Bearbeitung von Michelle Castelletti. Ein ziemlicher guter Jahrgang also, dieser Opus Klassik 2021.


Reinhard Lemelle



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