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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Blick zurück nach vorn: Nora Schmid, einst Chefdramaturgin unter Ulrike Hessler, beerbt Peter Theiler 2024 als Intendantin der Semperoper © Daniel Koch/SMKT Sachsen

Pasticcio

Semperopern-Glücksfall

Als sich Christian Thielemann gerade der internationalen Presse per Livestream zeigte, um das Programm der auf Herbst verschobenen Salzburger Osterfestspiele vorzustellen, wurde er natürlich auch nach seinem Dresdner Rauswurf gefragt. Ob er verärgert über die Entscheidung sei, dass man seinen Vertrag als Staatskapellen-Chef nicht über 2024 hinaus verlängert habe? Nein, so Thielemann – und fügte hinzu, dass es ja immer noch die Musik gibt, die einem hilft, „Dinge, die nicht so schön oder ungewohnt sind, zu vergessen“. Diese Worte könnten aber tatsächlich darauf hinweisen, dass sich Thielemann durchaus vorstellen kann, dann als Freelancer wieder zu seinem alten Dresdner Orchester zurückzukehren. Was auch Nora Schmid mehr als nur freuen dürfte, die gerade zur neuen Semperopern-Intendantin ab 2024 berufen wurde. Denn wie sie der Tageszeitung „Die Welt“ gestand, wäre es für sie ein großer Wunsch, wenn „Thielemann mit all seinen unbestreitbaren Fähigkeiten der Staatskapelle als Gast erhalten bleiben würde.“
Mit der gebürtigen Schweizerin Nora Schmid haben Dresdens Kulturverantwortliche immerhin in Rekordzeit eine hier bestens bekannte First-Class-Nachfolgerin für den ebenfalls 2024 scheidenden Intendanten Peter Theiler aus dem Hut gezaubert. Schmid kennt nämlich das Opernhaus schon lange. Zwischen 2010 und 2014 war sie an der Semperoper Chefdramaturgin und zudem persönliche Referentin der damaligen Intendantin Ulrike Hessler. Und dass sie ein Opernhaus erfolgreich in die Zukunft zu führen versteht, beweist Schmid aktuell weiterhin in Graz. Seit 2015 leitet sie Österreichs zweitgrößtes Opernhaus und begeistert Saison für Saison Publikum und Kritik gleichermaßen mit neugierig machenden Spielplänen.
Nun also wird sie in drei Jahren offiziell die Semperoper übernehmen. Neben dem kreativen Umgang mit der „gloriosen Geschichte“ des Hauses, die „einen bisweilen zu erdrücken droht“, will sich Schmid dann vor allem der Oper von morgen widmen. Und ein entsprechendes Plätzchen wird es dann auch für Christian Thielemann bei all diesen Planungen garantiert geben.

Guido Fischer



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