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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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(c) Helene Clausen

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Händel meets Hendrix

Da wird das Laptop zur Loge: Unter dem Motto „Flower mit Power“ garantieren Musikfestspiel-Intendantin Dorothee Oberlinger & prominente Friends nicht nur digital Hörgenuss und Sinnenfreude.

Vor genau 30 Jahren, 1991, fanden sie zum ersten Mal statt – die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Und sofort galten sie nicht nur bei den Fans der Barockmusik als neues Paradies. Zumal man hier auf eine Mischung aus historischen Sälen, Schlössern und Gärten trifft, die schon ziemlich einzigartig ist. Seit 2018 ist nun die Weltklasse-Blockflötistin Dorothee Oberlinger künstlerische Hausherrin von Potsdam-Sanssouci. Und dass sie die genaue richtige Musikerin für diesen Posten ist, wollte sie natürlich auch nach ihrer erfolgreichen Debüt-Spielzeit 2019 im letzten Jahr beweisen. Doch dann kam Corona dazwischen. Die Ausgabe 2020 musste abgesagt werden. Und auch 2021 stand im Frühjahr wieder mehr als nur auf der Kippe. Aber besondere Zeiten erfordern eben besondere Ideen und Gegenmaßnahmen. Weshalb Oberlinger mit ihrem Team nun doch die Pforten für eine außergewöhnliche Festival-Edition öffnen kann. Denn hinter dem digitalen Entrée der (nicht nur!) virtuell zu genießenden Opernaufführungen, Konzerte und Tanz-Performances erwartet das Publikum eine handverlesene Schar an tollen Alte-Musik-Spezialisten und ausgewiesenen Experten der historischen Aufführungspraxis. Dazu gehören der Countertenor und Violinist Dmitry Sinkovsky, der Fortepiano-Virtuose Christoph Hammer und das belgische Barockorchester B’Rock. Und auch die Capella de la Torre sowie die Akademie für Alte Musik Berlin sorgen für musikalische Glücksmomente.
Das diesjährige Motto „Flower mit Power“ ist auch eine Reminiszenz an Friedrich II., der ein ausgesprochener Connaisseur und Liebhaber des Floralen war. Mehr als passend zu diesem Leitmotiv ist dementsprechend auch die Neuinszenierung des musikalischen Hirtenspiels „Pastorelle en musique“ aus der Feder Georg Philipp Telemanns gewählt. Voller herrlicher Komik und anrührender Arien steckt dieses musikalische Treiben unter den verliebten Schäfern und Schäferinnen. Und weil Dorothee Oberlinger schon lange eine riesige Bewunderin von Telemann ist, lässt sie es sich jetzt selbstverständlich nicht nehmen, diese Produktion höchstselbst zu dirigieren. Regie führt Nils Niemann, es spielt das Ensemble 1700. Und bei dem Gesang von Lydia Teuscher, Marie Lys, Alois Mühlbacher und anderen wird einem sowieso ganz warm um Herz.
Doch nicht nur für diese digitale Aufführung hat sich das Festival-Team weitere Angebote und Zusatztermine einfallen lassen, damit das Publikum von zu Hause aus noch intensiver Festival-Atmosphäre schnuppern kann. So ist Dorothee Oberlinger wie die anderen Künstler nach ihren Konzerten noch live im Zoom-Interview zu hören. Und während es immer 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine Online-Einführung zum Aufwärmen gibt, lädt man nach jedem Konzert in die virtuelle Künstlerkneipe „Zur Goldenen Palme“, zu einem geselligen Plausch mit den Künstlern ein. Und wer danach noch längst nicht müde ist, sondern Lust auf einen musikalischen „Absacker“ hat, der schaut bei der virtuellen Konzertbühne „Encore“ rein, die Mini-Konzerte aus den Räumen der Schlösser und Gärten von Potsdam-Sanssouci bietet.

Garten-Kantaten und RosenTanz

Zu den Highlights der diesjährigen Festival-Edition gehört das Abschlusskonzert mit der Akademie für Alte Musik Berlin, die Komponisten aus dem Umfeld des preußischen Hofes von ihrer grünen Seite präsentieren – darunter als moderne Erstaufführung eine Garten-Kantate von Johann Gottlieb oder Carl Heinrich Graun. Und gleich zu Beginn legt die Junge Philharmonie Brandenburg mit einer Auswahl von Bachs Brandenburgischen Konzerten los. Bevor danach Dmitry Sinkovsky, Lee Santana und das von Oberlinger geleitete B’Rock Orchestra den Bogen vom Wahl-Londoner Händel hin zum Wahl-Londoner Jimi Hendrix schlagen. Bibers „Rosenkranzsonaten“ verwandeln die Barockgeigerin Ariadne Daskalakis sowie die Tanzcompagnie Europa Danzante unter Yves Ytier in „RosenTanzSonaten“ – wobei auch dieses Projekt in gleich zwei weiteren „Formaten“ angeboten wird. Denn neben den Opernaufführungen, den Konzerten in der Friedenskirche Sanssouci und im Nikolaisaal Potsdam ist auch diese Tanzperformance tatsächlich vor Ort und live zu erleben. Wer kein Glück am Ticketschalter haben sollte, der kann immerhin auf dem Winzerberg Potsdam die Aufführungen auf einer großen Leinwand und zusammen mit rund 500 Musikbegeisterten erleben und genießen. Das Opern- und Konzertleben, es blüht in Potsdam wieder auf! Herrlich.

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
11.–27. Juni „Flower mit Power“
www.musikfestspiele-potsdam.de
Tickets: +49 (331) 28 888 28

Fahrradkonzert!

Traditionell gehört das Fahrradkonzert samt Live-Musik schon fest zu diesem Festival. Auch dieses Jahr heißt es wieder: Radeln! So führt eine Tour etwa vom Alten Markt über die Grotte an der Maulbeerallee und das Orangerieschloss Sanssouci bis zum Freundschaftstempel Park Sanssouci. Da es sich diesmal aber eben um ein digitales Fahrradkonzert-Erlebnis handelt, sollte man unbedingt sein Handy dabeihaben. Denn auf den einzelnen Stationen der erlebnisreichen Radtouren kann man per QR-Code aufgezeichnete Musikbeiträge wie etwa Barockkonzerte, Klang-Performances sowie Kurzfilme und Vorträge abrufen. Und als besonderen Bonus gibt es dieses Angebot den ganzen Sommer lang, vom 13. Juni bis zum 30. September.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 3 / 2021, Online



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