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Spielpause auf unbestimmte Zeit: Das Artemis Quartett © Felix Broede/Künstler

Pasticcio

Comeback nicht ganz ausgeschlossen

30 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Nicht nur in einer normalen Ehe, sondern auch in einer Ehe zu viert, die man als Streichquartett bildet. Kein Wunder, dass da Reibungen, Konflikte, Spannungen nicht ausbleiben. Und auch so manche Schicksalsschläge können das Gefüge aus den Angeln heben. Das Berliner Artemis Quartett hatte aber selbst die schlimmsten Zäsuren, etwa den Tod eines langjährigen Mitglieds, stets bewundernswert verarbeitet und immer wieder neue Kräfte entwickelt. Passend zu diesen Stehaufmännchen-Qualitäten des 1989 gegründeten Vierers war denn auch der Titel einer Film-Biographie gewählt, den Hester Overmars 2019 herausbrachte: „Artemis The Neverending Quartet“.
Zwei Jahre später scheint diese nicht enden wollende Erfolgsgeschichte nun tatsächlich doch keine Zukunft mehr zu haben. Denn wie die Künstleragentur der Musiker jetzt mitgeteilt hat, will man „eine Spielpause auf unbestimmte Zeit“ einlegen. Und zur Begründung hat Bratscher Gregor Sigl hinzugefügt: „Wir haben zwar viele Monate gekämpft und hart gearbeitet. Dann hat aber leider ein sehr schwerer Krankheitsfall in der ganz engen Quartettfamilie dazu geführt, dass es nicht mehr geht. Da war dann plötzlich eine Hürde, die auch für ein Artemis Quartett nicht überwindbar war.“
Diese Innenschau lässt also für die Musikwelt nichts Gutes hoffen. Immerhin scheint hier eines der phänomenalsten Streichquartette, das nicht nur mit seinem Beethoven-Spiel Interpretationsgeschichte mitgeschrieben hat, seinen Abschied verkündet zu haben. Wie es für die vier Musiker weitergehen wird? Cellistin Harriet Krijgh wird ihre erfolgreiche Solo-Karriere fortsetzen. Geigerin Suyoen Kim ist ja weiterhin 1. Konzertmeisterin beim Berliner Konzerthausorchester. Violinistin Vineta Sareika erwartet Nachwuchs. Und Gregor Sigl – der schließt einen Neustart nicht grundsätzlich aus…

Guido Fischer



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