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Den Altmeister im Privatissimum erleben: John Scofield spielt auch vor 100 Leuten © Agentur Saudades

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Niederrheinischer Jazz-Hotspot

Jede Erfolgsstory beginnt einmal klein. So auch die vom „Moers Festival“, das im Juni 1972 erstmals unter dem Logo „New Jazz Festival“ veranstaltet wurde. Ein paar Bands hatte Festivalgründer Burkhard Hennen da an den beschaulichen Niederrhein geholt. Doch bei den wilden Klängen, die Jazzquerköpfe wie etwa Peter Brötzmann und Albert Mangelsdorff damals in den Himmel jagten, nahmen viele der neugierigen Moerser empört die Beine in die Hand. Seitdem zählt das „Moers Festival“ aber nicht nur zu den Hotspots auf der internationalen Jazzfestival-Landkarte. Der traditionell über Pfingsten stattfindende, mehrtätige Konzertreigen ist über die Jahrzehnte hinweg eben dank vielen tausend Besucher auch zum wichtigen Wirtschaftsfaktor für die örtlichen Getränke- und Supermärkte geworden.
Im nächsten Jahr, 2022, feiert das Festival seinen 50. Geburtstag. Doch die 50. Ausgabe geht schon jetzt und bis Pfingstmontag (24. Mai) über die Bühne (www.moers-festival.de). Wobei Tim Isfort, der aktuelle Festivalchef, in den letzten Wochen immer wieder jonglieren und das geplante Programm umbauen musste. Denn aus dem endlich wieder reinen Publikumsfestival, wie es Isfort sich erhofft hatte, mussten nun doch wieder coronabedingt viele Konzerte in den Live-Stream verbannt werden (der Kultursender arte überträgt auf www.arte.tv).
Zur Feier der runden Jubiläums kommt es aber weiterhin auch zu Auftritten von Musikern, die Festival- und überhaupt Jazz-Geschichte mitgeschrieben haben. Dazu gehören der Free-Jazz-Trompeter Joe McPhee sowie der Sax-Avantgardist David Murray. Mit Joëlle Léandre, Myra Melford und Lauren Newton kehren drei große Ladies der Improvisation im Trio-Format zurück. Und ganz andere, softe bis meditative Klänge sind hingegen die Spezialität der französischen Komponistin und Pionierin der Elektronischen Musik Éliane Radigue, der das „Orchestra of New Musical Creations and Experimentations” (Onceim) eine akustische Reverenz erweist. Abseits dieser aus der Festivalhalle übertragenen Konzerte haben aber dennoch handverlesene Jazzfans die Möglichkeit, einige ihrer Helden live und in Farbe zu erleben. Immerhin gibt es vier Open-Air-Konzerte für ein streng limitiertes Publikum. Und die glücklichen Kartenbesitzer können sich bereits jetzt etwa auf den Solo-Auftritt des amerikanischen Jazzgitarren-Gotts John Scofield freuen.

Reinhard Lemelle



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