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(c) Tim Klöcker

crescendo

„Beethörende Natur“

Seit 2003 öffnet die Berliner UdK ihre Pforten mit dem Musikfestival „crescendo“, bei dem Studierende, Professoren und prominente Gäste aufspielen. Jetzt findet es zum ersten Mal als Livestream statt.

Es war vor 152 Jahren, als die Musikmetropole Berlin endlich auch ihre akademischen Weihen erhielt. 1869 war es der legendäre Violinist Joseph Joachim, der die Königlich Akademische Hochschule für Musik gründete. Damit war der Grundstein für Berlins älteste Musikhochschule gelegt, die heute unter dem Dach der Universität der Künste Berlin untergebracht ist. Und wie es sich für so eine Edelschmiede von jeher gehört, wird der musikalische Top-Nachwuchs von morgen nur von ausgewiesenen und namhaften Dozenten ausgebildet. Zu ihnen gehörte auch Wolfgang Boettcher, der nicht nur 2. Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker, sondern auch Mitbegründer der „12 Cellisten“ war. Anfang des Jahres ist Boettcher in seiner Heimatstadt Berlin verstorben. Nun findet im Rahmen des Musikfestivals „crescendo“, das die UdK seit 2003 veranstaltet, ein besonderes Gedenkkonzert statt. Das komplette Cello-Team der Berliner Philharmoniker verabschiedet sich von seinem Freund mit Julius Klengels „Hymnus“. Und an einen großen Kollegen erinnern selbstverständlich auch die vier aktuellen Cello-Professoren der UdK. Zu ihnen gehört Konstantin Heidrich, der seit 2017 neben dieser Professur und seiner Mitgliedschaft beim Fauré Quartett noch einen dritten Job hat – nämlich die Künstlerische Co-Leitung des „crescendo“-Festivals. Seitdem stellt er gemeinsam mit dem Pianisten Markus Groh Jahr für Jahr ein umfangreiches wie facettenreiches Programm zusammen, mit dem sich all die Spitzentalente schon mal einem breiten Publikum vorstellen können.
Nach der coronabedingten Absage der letztjährigen „crescendo“-Ausgabe stehen jetzt die insgesamt 17 Konzerte unter dem Motto „Beethörende Natur“. Und mit diesem Wortspiel erinnert man nicht nur an den begeisterten Freiluftdenker Beethoven, für den die Natur über allen „Wundern der menschlichen Kunst“ stand. In diese Schwärmerei stimmten später auch moderne Komponisten wie Olivier Messiaen und George Crumb ein, die sich von den Gesängen der Vögel bzw. der Buckelwale inspirieren ließen. Solche musikalische Naturerkundungen ziehen sich dementsprechend wie ein roter Faden durch das Festival, das zwar leider ohne Publikum, dafür im Internet per Livestream stattfindet. Beim Eröffnungskonzert dirigiert die Originalklang-Instanz Reinhard Goebel am Pult des Hochschulorchesters der UdK Berlin Beethovens „Pastorale“ – deren einzelne Sätze in einem weiteren Konzert dann in je unterschiedlichen Besetzungen unter anderem für Klavierquartett, elektronische Musik und für Holzbläserensemble zu erleben sind.
Beethovens Sinn für den empfindungsreichen und natürlichen Ausdruck spüren aber auch junge Violin- und Klavierstudenten nach, die zusammen mit ihrer Professorin Mirijam Contzen an vier Abenden sämtliche Violinsonaten Beethovens spielen. „Neue Wege zu Beethoven“ lautet hingegen das Konzert des hauseigenen Neue-Musik-Ensembles ilinx, das Werke unter anderem von Salvatore Sciarrino sowie Uraufführungen etwa des UdK-Studenten Jakob Böttcher präsentiert. Weitere Highlights sind ein Meisterkurs mit der georgischen Weltklasse-Geigerin Lisa Batiashvili – sowie das Master-Abschlusskonzert des vision string quartets, das sich beim Artemis Quartett den letzten Feinschliff für seine schon jetzt vielversprechende Karriere geholt hat.

crescendo – das Musikfestival der UdK Berlin
digital: 21. Mai bis 5. Juni 2021 „Beethörende Natur“
www.udk-berlin.de/crescendo
www.livestream.udk-berlin.de

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 3 / 2021, Online



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