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(c) Marco Borggreve

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Bratschen-Legende Tabea Zimmermann hat in Corona-Zeiten keinen Frust aufkommen lassen und sich mit privaten Auftritten beholfen. „Ich gebe jetzt jedes Wochenende ein Treppenhauskonzert für die Nachbarn“, sagte sie in Berlin. „Meine Kinder machen mit. Wenn die große Bühne fehlt, suche ich mir halt kleinere.“ Angesprochen darauf, dass sie eigentlich nicht so bekannt sei, wie sie es wohl verdiene, antwortete sie: „Ich habe viel dafür getan, nicht berühmt zu werden.“ Von Natur sei sie stur. Sie wolle nicht mitmachen um jeden Preis. „Ich fahre nicht nach China. Ich gehe auch nicht in die Arabischen Emirate und habe kein Herz für russische Oligarchen.“ Musikalische Eigenschaften wie ‚laut‘ und ‚schnell‘, wie sie mancherorts favorisiert würden, interessierten sie nicht. Es gebe sogar etliche Künstler, die sie meide, weil ihr deren kommerzielles Musikgebaren nicht behage. „Ich war schon mit 18 ziemlich direkt. Dafür bin ich erstaunlich weit gekommen.“ Die Ukrainerin Oksana Lyniv (43) leitet in diesem Jahr als erste Dirigentin in der Geschichte der Bayreuther Festspiele eine Premiere: den „Fliegenden Holländer“. Es sei aber nicht so, sagte sie dem Magazin Oper!, dass sie sich vor Chefdirigentinnen-Angeboten nicht retten könne. „Die Branche braucht noch mehr Zeit.“ Nach ihrer Erfahrung werde „auch heute noch ein 20-jähriger Dirigent, der fast ohne Erfahrung kommt, gegenüber einer erprobten Dirigentin oft bevorzugt.“ Man bleibe reserviert und bezweifle möglicherweise sogar „die Führungseigenschaften von Dirigentinnen. Wir bekommen zwar irgendwo Positionen. Aber kaum sehr gute.“ Der klassische Gitarrist Miloš Karadaglić, der 2016 wegen rechtsseitiger Probleme in Hand und Arm für ein Jahr aussetzen musste, ist zurück mit neuem Album (Decca). „Ich habe jeden Doktor auf der Welt konsultiert, um herauszufinden, was falsch gelaufen war“, so Miloš daheim in London. „Ich glaube nicht, dass es technische Probleme waren.“ Die Hauptaufgabe habe für ihn darin bestanden, „mich emotional überhaupt wieder in eine Situation zu bringen, in der ich zurückkehren und wieder anfangen konnte. Nur dann, wenn man emotional die richtige Einstellung findet, wird man auch musikalisch funktionieren.“ Andrea Zietzschmann, Intendantin der Berliner Philharmoniker, konnte im Frühjahr im Rahmen eines Berliner Pilotprojektes knapp 1000 getesteten Personen Einlass in die Philharmonie gewähren, womit eine schrittweise Wiederaufnahme des Konzertbetriebes eingeleitet werden sollte. Nicht ganz ohne Bauchschmerzen. „Natürlich habe auch ich Probleme damit zu sehen, wie der Kammermusiksaal vorübergehend in eine Test-Klinik verwandelt wird“, so Zietzschmann. Alle getesteten Personen waren erwartungsgemäß negativ. „Uns wurde gesagt, die erwartbare Quote positiver Testergebnisse läge – bei 1000 Besuchern – zwischen 0 und 1. Wir hatten keinen Anlass für ernsthafte Bedenken.“ Die amerikanische Sopranistin Sara Jakubiak, jüngst sensationell erfolgreich mit der Hauptrolle in Zandonais Oper „Francesca da Rimini“ (und zuvor mit Korngolds „Wunder der Heliane“) an der Deutschen Oper Berlin, war früher Softball-Spielerin. „Ich war sogar ziemlich gut und bin damit durch die USA gereist“, sagte sie in New York. „Ursprünglich wollte ich tanzen, aber meine Mutter fand, dass Baseball für mich besser sei. Also ging ich zum Softball.“ Sie habe auch bis heute ein „ausgeprägt athletisches Selbstverständnis“ als Sängerin. „Ich habe ein starkes Bewusstsein davon, dass bei uns Frauen die Hauptlast des Körpers etwas tiefer liegt als bei Männern.“ Das müsse beim Singen berücksichtigt werden. „Ich merke, dass vom Singen nicht etwa meine Stimmbänder müde werden. Sondern die Beine.“ Sie ruhe sich auch nach der Vorstellung genauso aus „wie vom Sport“.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2021



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