home

N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



Startseite · Künstler · Gefragt

Kristian Bezuidenhout

Mendelssohn 2.0

Aktuell pustet der südafrikanische Hammerklavier- Spezialist Kristian Bezuidenhout gerne den Staub von Mozart-Sonaten. Jetzt hat er zwischendurch, gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester, den »Mozart des 19. Jahrhun-dert « ins Visier genommen. Und wie er RONDO-Autor Guido Fischer verriet, findet sich unter den beiden Konzerten von Felix Mendelssohn Bartholdy gar eine Weltersteinspielung!

Felix Mendelssohn Bartholdys Schaffen umranken immer noch viele Klischees, die sich erst bei genauerem Hinsehen und vor allem Hinhören als falsch entpuppen. Nachdem Bezuidenhout im letzten Jahr mit dem Freiburger Barockorchester (FBO) live das 2. Klavierkonzert gespielt hatte, war er prompt bekehrt. Und damit er seine frisch entflammte Mendelssohn-Liebe weiterpflegen konnte, zogen die Freiburger Originalklang-Musiker für ihn sofort zwei weitere Werke aus dem Ärmel. Es waren Konzerte, die Mendelssohn im zarten Jünglingsalter von 13 bzw. 14 Jahren geschrieben hatte. Neben dem frühen Klavierkonzert a-Moll besticht das Doppelkonzert mit der nicht gerade alltäglichen Besetzung für Violine, Klavier und Orchester.
Doch einer der künstlerischen Leiter des FBO, der Barockgeiger Gottfried von der Goltz, legte Bezuidenhout eine Fassung vor, die bislang nur absolute Mendelssohn-Insider kannten. Tatsächlich hatte Mendelssohn dem Konzert kurze Zeit später noch eine gesonderte Bläserpartitur beigelegt, Version 2.0 sozusagen. Wer angesichts der Weltersteinspielung dieser Fassung annimmt, dass es sich höchstens um eine nette Rarität aus der Feder eines Junggenies handelt, wird eines Besseren belehrt. Dramatische, fast tragische Züge durchblitzen immer wieder den Eröffnungssatz, während der langsame Satz über die schwebenden Gesänge in den Holzbläsern zu einer ergreifenden Arie ohne Worte aufblüht. Dieser kreative Umgang mit dem Erbe Mozarts ist für Kristian Bezuidenhout, der hier die Kopie eines Graf-Fortepianos von 1824 spielt, mehr als nur eine Überraschung. Ob solistisch oder im Dialog mit Violinist Gottfried von der Goltz – für den Hammerklaviervirtuosen schließt sich ein Kreis. So kann der erfahrene Mozart-Interpret Bezuidenhout auch von diesen frühen Mendelssohn-Konzerten behaupten: »Sie fühlen sich nach ›Zuhause‹ an.«

Felix Mendelssohn Bartholdy

Klavierkonzert a-Moll, Doppelkonzert d-Moll

Kristian Bezuidenhout, Gottfried von der Goltz, Freiburger Barockorchester

harmonia mundi

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 4 / 2011



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Die Kraft des Großen

„Wie halten Sie es eigentlich mit der Politik?“ Aktuell dürfen sich selbst Künstler jedweder […]
zum Artikel

Gefragt

Orquesta Sinfónica Nacional de México

Reisefieber

Es ist deutsch-mexikanisches Jahr: schöner Anlass für eine Europatournee des mexikanischen […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Traditions-Linien: Mit seiner „Lachrimae“-Pavane habe John Dowland nicht nur ein exzellentes Musikstück für Laute komponiert, sondern einen sinnierenden, wehmütigen und nachhorchenden Ton angeschlagen, der für mehrere Jahrhunderte im Lautenrepertoire den Stil vorgegeben hat, ist sich der baskische Lautenist Enrique Solinís sicher. So nennt er sein neues Album „Ars Lachrimae“, hat aber nicht Dowland eingespielt, sondern den Blick auf seine Nachfolger gelegt. Zwei Suiten von Johann […] mehr


Abo

Top