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In Reih' und Glied? Die Musikbranche sollte viel selbstbewusster auftreten © pixabay.com

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Das Wasser bis zum Hals. Na und?

Vor ein paar Tagen lud Bundesminister Peter Altmaier Wirtschaftsvertreter zu einem überfälligen Mini-Gipfel ein. Und eigentlich hatte man erwartet, dass Altmaier mal so richtig die Leviten gelesen bekommen würde. Angesichts eines Krisenmanagements, bei dem die von Corona arg gebeutelten Branchen noch nicht einmal zeitnah mit entsprechenden Hilfs- und Fördergeldern abgespeist werden. Aber irgendwie ließen die Verbandsvertreter lieber die Faust in der Tasche und hofften einfach mal auf Besserung. Solche Lobbyisten, die statt kampfeslustig kreuzbrav als Bittsteller auftreten, gibt es aber eben nicht nur in der Wirtschaft. Auch in der Kultur wagt man immer noch nicht den überfälligen Aufstand und Protest. Dabei weiß man gerade in der Musikbranche, was die Stunde geschlagen hat. Konzert- und Opernhäuser bleiben weiterhin dicht. Und laut einer Umfrage des Landesmusikrats Berlin sehen mittlerweile sage und schreibe 29 Prozent aller freischaffenden Musiker keine Zukunft mehr in ihrem Beruf. Weshalb viele von ihnen umsatteln werden.
Aber irgendwie empören auch solche Nachrichten niemanden so richtig. Die Bundesverbände etwa der Musikindustrie oder die Deutsche Orchestervereinigung bleiben erstaunlich stumm. Und von prominenten Klassikmusikern hört man bis auf einzelne Stimmen, wie etwa der von Anne-Sophie Mutter und Linus Roth, nichts. Ob daher nun ein weiterer Bittbrief an die Bundesregierung für ein Umdenken sorgen wird, bleibt eher fraglich. Aufgesetzt hat ihn die GMD Konferenz (dabei handelt sich um die Interessenvertretung und Vereinigung der Generalmusikdirektoren und Chefdirigenten). Darin beklagt man nicht nur die Form der finanziellen Rettungsmaßnahmen. Zugleich vermisst man eine Strategie für die überfällige Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Denn immerhin belegen jüngste Studien einmal mehr, dass der Besuch von Konzert- und Opernhäusern gefahrlos wäre – danke starker Lüftungstechnik und entsprechendem Raumvolumen. Mitte Januar veröffentlichte das Dortmunder Konzerthaus die Ergebnisse einer Studie zur Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus. Das Ergebnis war eindeutig: eine Übertragung von Infektionen ist nahezu ausgeschlossen. Und gerade erst wurde das Resultat einer Studie veröffentlicht, für die Forscher der TU Berlin die Ansteckungsraten an verschiedenen Orten errechnet haben. Und auch hier kam Erstaunliches zu Tage: das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, ist beim Friseur oder im Supermarkt höher als etwa im Opernhaus. „Kultur ist wichtiger Bestandteil menschlicher Würde“ – mit diesem Satz schließt die GMD Konferenz jetzt ihren offenen Brief. Nun sollte man Taten sprechen lassen. Und zwar am besten lautstark, mit Pauken und Trompeten, Töpfen und Pfannen.

Reinhard Lemelle



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