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(c) Chun Youngsang

Hera Hyesang Park

Der In-Between-Sopran

Die südkoreanische Sopranistin hat ein selbstbewusstes Debüt-Album jenseits der herkömmlichen Fach-Grenzen aufgenommen.

Die 31-Jährige ist gerade in München angekommen, sie will in Deutschland sein, wenn ihr Debüt-Album beim Gelb-Label erscheint. Ihre Wohnung in New York hat sie aufgegeben. „Ich bin gerade freiwillig obdachlos“, beschreibt Hera Hyesang Park fröhlich ihre aktuelle Lebenssituation in den Unwägbarkeiten der Pandemie, der sie sogar etwas abgewinnen kann. „Ich beginne, das minimalisierte Leben ausgesprochen zu genießen“. Am Zoom-Bildschirm wirkt sie sehr zierlich und würzt ihre Antworten mit einer erfrischenden Portion humorvoller Selbstironie. „I am Hera“ lautet der energische Titel ihres Albums mit den Wiener Symphonikern unter der stilsicheren Leitung von Bertrand de Billy. Ausgesprochen selbstbewusst ist auch die Auswahl der Arien quer durchs Repertoire, von Glucks Euridice über Händels Cleopatra, einer breiten Mozart-Auswahl von Ilia bis Zerlina und Koloratur-Arien von Rossini, Pergolesis Serpina, Bellini-Belcanto bis hin zu Puccinis Musetta und Lauretta sowie zwei neo-impressionistischen südkoreanischen Zeitgenossen. Ein erstaunlicher Mix der Sopran-Fächer: geschmeidige Barock-Girlanden, Soubretten-Parlando, lyrische Legati mit cremig-weichen Spitzentönen, schwindelfreie Belcanto-Balance und süffige Verismo-Anklänge. „Ich sehe mich selbst als ‚In-Between-Sopran‘“, gibt sie zu, „ich wünsche mir Respekt für mein Instrument und die Zeit, die ich für meine Entwicklung brauche“, sagt sie. „Und ich habe noch viel Zeit und will mein Alter genießen“. Musik war eigentlich immer schon da, „meine Mutter erzählt, dass ich schon im Mutterleib gestrampelt habe, wenn sie Musik hörte“. Als Kleinkind rannte sie zum Klavier, wenn draußen eine Rettungssirene heulte und fingerte die Intervalle zusammen. Später lernte sie Klavier und ihr Lehrer brachte ihr in den letzten zehn Minuten jeder Stunde Kinderlieder bei: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich das mehr genossen, als Klavier zu spielen“, bekennt sie. Während der Highschool-Zeit sang sie dann über zehn Jahre im Kirchenchor, „aber das war kein klassischer Chor, wir sangen sehr diverses Repertoire von Folk Songs bis Chansons.“ Die erste Begegnung mit der Oper und das Schlüsselerlebnis war eine Aufnahme von „La Traviata“: „Ich war absolut hypnotisiert davon, was eine menschliche Stimme ausdrücken kann, und von da an habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, Opernsängerin zu werden. Ich habe aber meine Stimme nicht erst entdeckt, denn ich habe es immer unglaublich genossen, zu singen.“ Ihren bisherigen Weg sieht sie als natürliche Fügung, das Leben habe sie einfach dahin geführt. An der Uni in Korea stand sie dann zum ersten Mal in einer Opernrolle auf der Bühne: und zwar ausgerechnet als Violetta in Verdis „La Taviata“. So etwas nennt man wohl Schicksal. An ihrem Beruf liebt sie vor allem den kommunikativen Prozess, der beim Versenken in die Partitur und in kleinste Hinweise anfängt und bei der Detailarbeit mit den Kollegen endet. „Ich denke nicht nach über Technik, oder ob ich erfolgreich bin. Ich genieße es, mit anderen etwas sehr Schönes und Sinnvolles zu machen.“ Mit ihrer so mühelos leuchtenden Stimme geht sie vorsichtig um und umarmt aufkommende Probleme freundschaftlich. „Ich werde nie, nie perfekt sein und da ist immer wieder auch die Krise. (Sie nennt sie ‚Slump‘, Anm. d. A.). Aber ‚Slumpy‘ ist mein Freund! Wir gehen zusammen. Nur so kann ich wachsen.“

Neu erschienen:

Gluck, Pergolesi u. a.

„I Am Hera“

mit Hyesang Park, Wiener Symphoniker, de Billy

DG/Universal

Regine Müller, RONDO Ausgabe 1 / 2021



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