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Mit seinem Oberlippenbärtchen, einem stets entrückten Blick sowie schicken Anzügen besaß Samson François in frühen Jahren dieses leichte Dandyhafte, was ihn äußerlich zum Halbbruder von Arturo Benedetti Michelangeli machte. Doch auch sein „natürliches“ Gespür für die leuchtenden Zwischenfarben und vibrierenden Stimmungen etwa in der Musik von Debussy und Ravel verband den Franzosen mit dem Italiener. Trotzdem hat Samson François, der übrigens in Frankfurt/Main als Sohn eines französischen Konsulatsangestellten geboren wurde, es in Deutschland nie zu einer ähnlichen Popularität geschafft wie ABM. Dabei zählte ja zu seinen größten Bewunderern ein gewisser Wilhelm Kempff, der nun wirklich das genaue Gegenteil von ihm war. So soll Kempff einmal nach der von François’ hingelegten „Heroischen Polonaise“ von Chopin gemeint haben, dass „dieses Stück niemand auf der Welt so gut spielt wie Samson François.“ Sofort ist man selbstverständlich neugierig und pickt aus der Box mit sämtlichen Aufnahmen, die der Franzose bis kurz vor seinem allzu frühen Tod im Jahr 1970 gemacht hat, die Chopin-Polonaisen heraus. Und wohl gerade das eher wenig spektakulär Aufwühlende und Konzertrampenstürmende mag Kempff da begeistert haben. Tatsächlich war der ehemalige Schüler von Marguerite Long kein Draufgänger (was auch Liszts „Ungarischen Rhapsodien“ dokumentieren) und kein Oktavenstürmer (was gerade die Einspielungen der ausgewählten Sonaten und Konzerte von Prokofjew unterstreichen). Monsieur erwies sich auch in den zahlreichen Konzert-Mitschnitten vielmehr als ein charismatischer Erzähler auf dem Klavier. Abgerundet wird die unbedingt hörenswerte Box von einer DVD-Dokumentation, die sein Sohn Maximilian über ihn gedreht hat. Und auch den hochtalentierten Komponisten eines Klavierkonzerts lernt man diskografisch kennen.
Guido Fischer, 07.11.2020, RONDO Ausgabe 5 / 2020
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