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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Gegangen, um zu bleiben: Alexander Neef ist zurück in Paris, diesmal als Chef © Canadian Opera/Gaetz Photography

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Feuerwehrmann

Nein, ein gemachtes Nest ist es nicht, in das jetzt Alexander Neef vorzeitig wechselt. Sein Amt als neuer Chef der Pariser Oper tritt er nicht wie geplant erst 2021 an, sondern nun bereits am 1. September. Und der Grund für diese völlig überraschende Personalie ist kein positiver. Neefs Vorgänger Stéphane Lissner hatte im Juni mitgeteilt, dass er seinen Job zum 31. August an den Nagel hängen wird. Auslöser für diese Entscheidung war das enorme finanzielle Loch, das die Corona-Krise in die Schatulle des riesigen Pariser Opern-Dampfers mit seinen beiden Häusern gerissen hatte. Auf 40 Millionen Euro bezifferte Lissner die Schulden. Und für die kommende Saison haben bereits 50 % der treuesten Opernfans ihre Abos gekündigt. Diese Gemengelage wollte sich Lissner also wohl nicht mehr antun. Weshalb nun die französische Kulturministerin Roselyne Bachelot dem Präsidialamt vorgeschlagen hat, den versierten Opernmanager Neef schon früher aus dem fernen Kanada an die Seine zu lotsen. Dort nämlich, in Toronto, ist Neef eigentlich noch Chef der Canadian Opera Company. Und diesen Job soll er neben Paris nun noch solange ausüben, bis eben dort ein Nachfolger gefunden ist.
Der aus einer kleinen Gemeinde in Baden-Württemberg stammende Neef ist mit seinen 46 Jahren längst ein alter Hase im Geschäft. Was nicht zuletzt mit dem legendären Gérard Mortier zu tun hat, bei dessen Intendanzen bei der Ruhrtriennale, den Salzburger Festspielen und an der New York City Opera Neef zur künstlerischen Leitung gehörte. Zudem war er an Mortiers Seite, als dieser ab 2004 zum neuen, sofort umstrittenen Leiter der Pariser Oper berufen wurde. Kaum hatte Mortier nämlich den Spielpan für die erste Saison der Bastille- und Garnier-Oper vorgestellt, fiel gleich die Presse über ihn her, da er keine einzige französische Oper berücksichtigt hatte. Und die Reaktionen auf seine Vorstellungen von einer experimentierfreudigen Inszenierungskultur, für die Mortier damals berühmt war, waren nicht weniger heftig.
Nun also nimmt Alexander Neef auf dem Pariser Feuerstuhl Platz, um die Pariser Oper vor dem finanziellen Kollaps zu retten. Guckt man sich aber mal den Spielplan für die im November beginnende Saison an, die noch ganz die Handschrift von Lissner trägt, könnten die Häuser auch programmatisch durchaus einen baldigen Neuanstrich gebrauchen.

Guido Fischer



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