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All that jazz: Patrick Hahn, frischgebackener jüngster GMD Deutschlands in Wuppertal, ist außerdem begeisterter Jazz-Pianist © CG Pictures

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Young Pult-Boys

2004 waren die Bosse und Scouts des internationalen Tonträgermarkts in heller Aufregung. Gerade hatte da beim Bamberger Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb ein No-Name die Jury mit nichts Geringerem als der gewaltigen Fünften von Mahler im Sturm erobert. Und da schnell die Runde machte, dass dieses aus dem fernen Venezuela stammende Naturtalent noch ohne Plattenvertrag sei, buhlten die traditionsreichsten Labels um seine Unterschrift. 23, 24 Jahre alt war Gustavo Dudamel damals, als er schließlich der Deutschen Grammophon den Zuschlag gab und damit den Grundstein auch für eine CD-Karriere legte.
Seit Dudamel in der bayerischen Weltkulturstadt Bamberg durchgestartet ist, zählt in der jungen Dirigentenzunft ein Sieg beim Mahler-Wettbewerb zu den begehrtesten Auszeichnungen. Dementsprechend groß war denn auch in diesem Jahr der Andrang. Fast 350 Dirigenten und Dirigentinnen aus über 50 Nationen hatten sich für die alle drei Jahre stattfindende Ausgabe beworben. Lediglich 12 sollten hingegen die Chance bekommen, sich vom 29. Juni bis 5. Juli einer mit Barbara Hannigan und dem Bamberger GMD Jakob Hrůša hochkarätig besetzten Jury zu präsentieren. Auf dem Programm stand aber nicht nur Mahler, sondern auch Werke von Mozart, Weberns sowie ein neues Stück von Miroslav Srnka. Zu den Preisträgern, die diese anspruchsvollen Werkhürden mehr als ordentlich genommen haben, gehören Wilson Ng aus Hong Kong, Harry Ogg aus Großbritannien und die 25-jährige Österreicherin Katharina Wincor. Den mit 30.000 Euro dotierten Ersten Preis sicherte sich aber der 30-jährige Engländer Finnegan Downie Dear. Laut der Jury besitzt er „die außergewöhnliche Fähigkeit, in seinem Dirigat brillanten Verstand und Herzenswärme zu kombinieren. Sowohl in Mahlers Musik als auch in zeitgenössischen Werken schafft er magische Momente. Ganz so, als gäbe es nichts Leichteres auf der Welt." Einfach so vom Himmel gefallen ist der Gewinner natürlich nicht. So hat er etwa als Korrepetitor und Assistent u.a. am Royal Opera House Covent Garden, der Bayerischen Staatsoper München sowie mit Daniel Harding und Matthias Pintscher gearbeitet.
Bei ebenfalls sehr prominenten Mentoren, wie immerhin Kurt Masur und Bernard Haitink, hat sich der Österreicher Patrick Hahn seinen Feinschliff geholt. Was sich nun einmal mehr ausgezeichnet hat. Denn mit seinen gerade einmal 24 Jahren ist Hahn jetzt zum neuen Wuppertaler GMD und damit zum jüngsten Chefdirigenten Deutschlands ernannt worden. Ab der Spielzeit 2021/22 übernimmt er das Amt von Julia Jones. Warum der gebürtige Grazer aber schon lange ein hochgehandelter Überflieger ist, kann man an seinen bisherigen Stationen ablesen. Bereits 2014 und damit 18-Jährig (!) debütierte er beim Orchester der Ungarischen Staatsoper Budapest. Und mittlerweile hat er die Münchner Philharmoniker genauso dirigiert wie das Klangforum Wien und die Dresdner Philharmonie. Nebenbei ist Hahn aber nicht nur Fan des etwas anderen Chansonniers Georg Kreisler, sondern auch ein exzellenter Jazz-Pianist. Sehr sympathisch.

Guido Fischer



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