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Weltweit verbunden: Dmitri Maslejew in der Tschaikovski-Konzerthalle in Moskau © Vladimir Volkov

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Schostakowitsch in Gohrisch – und weltweit

Lange hatte man auch in der kleinen Gemeinde Gohrisch gehofft, dass der Corona-Spuk noch rechtzeitig vor Festival-Beginn vorbei sein würde. Aber Anfang Mai musste sich die Künstlerische Leitung der feinen Internationalen Schostakowitsch Tage geschlagen geben und das Publikum sowie die gebuchten Künstler auf das nächste Jahr vertrösten. Doch so ganz hat man in dem hübschen Örtchen in der Sächsischen Schweiz die Fahnen noch nicht gestreckt. So findet das Festival, das hier zu Ehren des großen sowjetischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch veranstaltet wird, diesmal immerhin in virtuellen Konzerträumen statt. Dafür haben sich der MDR, arte und die Deutsche Grammophon für einen Stream zusammengetan, der es in gleich mehrfacher Hinsicht in sich hat. Für die Uraufführung (!) mehrerer Klavierstücke von Schostakowitsch werden nämlich gleich drei in aller Welt verstreute Pianisten miteinander verschaltet. Yulianna Avdeeva tritt in Gohrisch im Hotel Albrechtshof auf, wo Schostakowitsch 1960 sein achtes Streichquartett komponierte. Dmitri Maslejew spielt in der Tschaikowski-Konzerthalle in Moskau – und Daniil Trifonov in seinem Haus in Greenwich, Connecticut. Sie alle präsentieren im Wechsel und als Weltpremiere insgesamt neun Klavierstücke. Acht davon komponierte der Teenager Schostakowitsch zwischen 1918 und 1920. Zudem hält das Programm eine Uraufführung aus Schostakowitschs Reifezeit bereit: ein Präludium, das ursprünglich für die Präludien und Fugen op. 87 entstand, das Schostakowitsch aber letztlich nicht in den Zyklus aufgenommen hat. Der Komponist und Schostakowitsch-Biograph Krzysztof Meyer hat das Stück, bei dem einige Takte fehlten, im Auftrag von Schostakowitschs Witwe Irina vollendet und um eine eigene Fuge ergänzt.
Diese Uraufführungen werden nun unter dem Titel „Schostakowitsch-Entdeckungen“ am 5. Juli 2020 ab 20 Uhr erstmals auf der Online-Plattform arte CONCERT zu sehen sein. Parallel dazu sind sie aber auch auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Grammophon für die globale Schostakowitsch-Fangemeinde zu erleben. Und 2021 werden dann auch die 11. Internationalen Schostakowitsch Tage wieder in gewohnter Form über die Bühne gehen – hoffentlich.

Guido Fischer



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