home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Konzert · Da Capo

(c) Bernd Uhlig

TreppenHausBesetzung

Berlin, Deutsche Oper: Wagners „Rheingold“ auf dem Parkdeck

Ob der neue „Ring des Nibelungen“, inszeniert von Stefan Herheim, im Herbst mit der „Walküre“ verspätet starten kann, wer weiß es? Den Termin des ausgefallenen „Rheingolds“ wollte man nicht verstreichen lassen. Und schickte die Sänger-Crew vor die Tür, um hier ein „Rheingold auf dem Parkdeck“ abzufeiern (unter der ambulanten Regie von Spielleiter Neil Barry Moss). Wotan sitzt im Regiestuhl. Das geraubte Gold wird durch ein Regiebuch dargestellt. Also: Zwölf Sänger suchen einen Autor. Während Mime und Froh – zwei entbehrliche Rollen! – ganz fehlen. Dies ergibt durchaus ein Regiekonzept.
Angesichts coronabedingter Vorgaben schnurrt das Ganze auf 100 Minuten Spieldauer zusammen (eine Stunde fehlt). Als gut abgehangener Wagnerianer hätte der Verfasser damit gerechnet, dass es ihn alle 4 Takte schüttelt. Nichts davon, und das ist das Interessante des Experimentes. Schon bei der Kompakt-Version des „Rings“ in Buenos Aires hatte der Bearbeiter Cord Garben damals festgestellt, dass Wagner anscheinend in ‚Modulen‘ komponiert habe – derart gut ließen sich hier Schnitte anbringen, ohne dass es harmonisch knackt oder klappert.
Selbst die New York Times war für das Event für 175 Besucher angerückt. Ein Erfolg wird es, weil die Deutsche Oper Berlin sogar ein „Rheingold“ mit bloßer Hausbesetzung stemmen kann. Derek Welton (Wotan) oder Tobias Kehrer (Fafner) singen längst auch an noch größeren Häusern. Noch besser: Tenor Thomas Blondelle, der den Loge grinsend und grienend wie den Joker aus „Batman“ spielt.
Mit nur 22 Musikern erlebt man eine ‚Treppenhaus-Besetzung‘ nach Art des „Siegfried-Idylls“ – Wagner hat’s vorgemacht ... Seltener klingt das, als wäre Wasser aus dem Teich abgelassen worden und die Fische flappen, platschen und springen auf dem Grund. Man hätte den Abend ruhig für eine größere Öffentlichkeit streamen sollen. Dass ein bisschen Sittenverderbnis einreißt, sei eingeräumt. Man verlässt das Deck mit dem unabweisbaren Verdacht: Eigentlich ist das „Rheingold“ immer noch zu lang.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2020



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Testgelände

Naxos

Mehr als nur eine Marke

Vor genau 30 Jahren versetzte Klaus Heymann mit seinem Naxos-Label die Klassik-Szene in helle […]
zum Artikel

Hausbesuch

Ivan Repušić

Ein Stopp-Signal im rasanten Alltag

Mit dem Münchner Rundfunkorchester und der Konzertreihe „Paradisi gloria“ strebt der […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top