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(c) Matthias Creutziger

Musikland

Sachsen

Trotz Elbphilharmonie, Berliner Opern-Trias oder Festivals allerorten: Deutsches Reiseziel Nr. 1 für Kulturtouristen ist nach wie vor Sachsen.

Die Dresdner Frauenkirche, die Semperoper, Schloss Moritzburg oder das Leipziger Gewandhaus sind mehr als nur berühmte Baudenkmäler, die ihre jeweilige Epoche eindrucksvoll repräsentieren. All diese Häuser symbolisieren auch ein Stück Musikgeschichte, die in ihren Mauern bis heute überaus lebendig weitergeführt wird, von weltweit anerkannten Spitzenensembles. Denn als die englische Musik-Fachzeitschrift „Grammophone“ einst ihr von renommierten Kritikern zusammengestelltes Ranking der besten Orchester der Welt veröffentliche, fanden sich dort auch drei deutsche Klangkörper. Und gleich zwei davon aus Sachsen: Das Gewandhausorchester Leipzig und – fast möchte man sagen: natürlich – die Sächsische Staatskapelle Dresden. Jenes Ensemble, das Richard Wagner einst in liebevoller Bewunderung als „Wunderharfe“ bezeichnete, und mit dem er seinen „Fliegenden Holländer“ und den „Tannhäuser“ aus der Taufe hob. Und er sollte nicht der letzte große Richard bleiben, der den unverwechselbaren Klang des Orchesters schätzte. Auch Strauss pflegte eine intensive künstlerische Beziehung zu den Dresdnern, die gleich neun seiner 15 Opern zur Uraufführung brachten. Werke, die bis heute fest in der DNA des Orchesters verankert sind und damals den Grundstein für den bis heute andauernden Musiktourismus legten. Legendär sind hier etwa die Sonderzüge, die anlässlich der Weltpremiere des „Rosenkavaliers“ Opernbegeisterte in die Semperoper brachten.
Wobei an dieser Stelle betont werden muss, dass man sich im „Elbflorenz“ keineswegs nur auf dem Ruhm vergangener Tage ausruht. In der Tradition großer Namen wie Wagner, Strauss, Weber oder Schütz vergibt die Staatskapelle seit 2007 für jeweils eine Saison den Titel des „Capell Compositeurs“ an herausragende Vertreterinnen und Vertreter der zeitgenössischen Musik, darunter Isabel Mundry, Sofia Gubaidulina oder Peter Eötvös. Wovon man sich nur in der kommenden Spielzeit eine kleine Ausnahme gönnt, um anlässlich des 20. Todestags noch einmal posthum an das kompositorische Schaffen des ehemaligen Chefdirigenten Giuseppe Sinopoli zu erinnern. Da sieht sich die Staatskapelle doch auch als „das musikalische Gedächtnis ihrer Kulturregion.“
International gefragt, aber dennoch in der Region verwurzelt. Dies gilt auch für das Gewandhausorchester Leipzig, das es in seinem Slogan auf den Punkt bringt: „Erleben Sie uns in Wien, New York und Tokio. Oder im Leipziger Gewandhaus.“ Das älteste nichthöfische Orchester Deutschlands bereichert seit 1743 das Musikleben seiner Heimatstadt und festigte seinen exzellenten Ruf ab 1916 schließlich auch auf zahlreichen Gastspielreisen rund um den Globus. Nach Anfängen auf dem Dachboden eines Leipziger Tuchwarenhändlers erhielt das bei den Bürgern überaus beliebte Ensemble rasch seinen eigenen Saal und nach dessen Zerstörung im zweiten Weltkrieg den einzigen Konzerthaus-Neubau der DDR. Neben dem langjährigen Chefdirigenten Kurt Masur, der in die Fußstapfen von Künstlerpersönlichkeiten wie Wilhelm Furtwängler oder Bruno Walter trat und 1981 das dritte Gewandhaus einweihen durfte, war es hier in jüngerer Vergangenheit vor allem Riccardo Chailly, der das Profil des Orchesters weiter schärfte. Ehe er den Taktstock an seinen Nachfolger Andris Nelsons übergab, der sich auch in Leipzig schnell zum Publikumsliebling mauserte. Berühmt ist das Gewandhausorchester jedoch nicht nur für seinen vollen, erdigen Klang, sondern ebenso für seine Qualitäten im kleinen Format. Rekrutiert sich aus den eigenen Reihen doch auch das Gewandhaus- Quartett, das seit seiner Gründung 1808 unter anderem Werke von Mendelssohn, Schumann oder Dvořák aus der Taufe hob.
Die beiden sächsischen Vorzeigeorchester sorgen aber natürlich keineswegs allein für die musikalische Grundversorgung ihres Bundeslandes. Auch die Robert-Schumann-Philharmonie ist ein Fixpunkt, nicht allein im Kulturleben der Stadt Chemnitz, sondern ebenso auf dem CD-Markt mit mehreren preisgekrönten Einspielungen unter Leitung des aktuellen GMDs Frank Beermann präsent. Ähnlich wie das an Auszeichnungen ebenfalls nicht arme MDR-Sinfonieorchester, das neben den großen Werken des Kernrepertoires stolz seinen Ruf als Uraufführungsorchester pflegt. Eine Tradition, die mit Weill oder Schreker begann und mit Namen wie Stockhausen, Penderecki und Rihm ihre Fortsetzung fand. Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, ist da eine alte Weisheit, die dem interessierten Publikum ein reichhaltiges Programm garantiert. Denn viele der sächsischen Klangkörper haben sich gerade durch die räumliche Nähe zueinander eigene Nischen erobert und sehr individuelle Profile entwickelt. So etwa auch die Dresdner Philharmonie, die seit 2017 mit dem wiedereröffneten Kulturpalast Dresden einen auch akustisch exzellenten Konzertsaal ihr Zuhause nennt. Das Sinfonische Herz schlägt da mitten in der Stadt. Aber auch abseits der großen Metropolen. Schlosskonzerte, Aufführungen in ländlichen Kirchen, historischen Burgen und auf Freiluftbühnen oder Opernausgrabungen in den entdeckungsfreudigen Stadttheatern garantieren eine Vielfalt, die selbst für den erfahrenen Opern- und Konzertbesucher die eine oder andere Überraschung bereithält.
Festivals wie das Bachfest Leipzig, das Moritzburg Festival, die Dresdner Musikfestspiele, die Mendelssohn-Festtage Leipzig oder die Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch holen dabei nicht nur internationale Stars nach Sachsen, sondern setzen ganz selbstverständlich auch auf jene Publikumslieblinge, die von hier aus ihren Weg in die Klassikwelt gemacht haben. Wichtige Nachwuchsschmiede waren hier von jeher der Leipziger Thomanerchor und der Dresdner Kreuzchor, aus deren Reihen unter anderem Sänger wie Peter Schreier und René Pape, oder Dirigenten wie Christoph von Dohnanyi und Hartmut Haenchen hervorgingen. Von daher lohnt sich vielleicht auch mal der Besuch eines Absolventenkonzerts an der nach Mendelssohn benannten Musikhochschule von Leipzig, die für Kurt Masur von jeher „mit den Thomanern, der Oper und dem Gewandhaus das Rückgrat unseres städtischen Musiklebens“ bildete. Wobei es neben der klassischen Musik inzwischen auch Fachbereiche für Jazz, Rock und Pop gibt.
Dass man in Sachsen in Sachen Kultur mit der Zeit geht, zeigt in diesem Geiste auch das Festspielhaus in Hellerau, wo Pioniere des modernen Tanzes wie Mary Wigman und Rudolf von Laban heute in William Forsythe oder dem Ensemble Derevo ähnlich progressive Nachfolger gefunden haben. Oder an der Staatsoperette Dresden, Deutschlands einzigem Operettentheater, in dem man ein Repertoire von Offenbach bis Kurt Weill pflegt, zwischen denen auch bekannte und weniger bekannte Broadway-Klassiker sowie Musical- Uraufführung deutscher Komponisten Platz finden. Womit neben dem experimentellen Festival „TonLagen“ auch die eingängigere Facette der zeitgenössischen Musik ihren Raum findet. Schließlich waren auch die alten Meister, die wir heute verehren einst diejenigen, die wagemutig in die Zukunft blickten. Oder frei nach Richard Wagner: „Kinder, schafft Neues!“


Verlosung

1Sie haben Lust auf das Musikland Sachsen bekommen und möchten es mit eigenen Ohren erleben? RONDO verlost in Kooperation mit der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH

3 x 2 Karten für ein Spitzenkonzert im Gewandhaus Leipzig

Ihr Gewinn

Freitag, 29. Mai 2020
Johannes Brahms:
Sinfonie Nr. 3. F-Dur op. 90 und Sinfonie Nr. 4. e-Moll op. 98
Gewandhausorchester Leipzig,
Herbert Blomstedt Dirigent

Die Gewinner erhalten ebenfalls
2 Übernachtungen vom 29.-31.5.2020
Vienna House Easy Leipzig
Goethestraße 11, 04109 Leipzig

sowie einmal freien Eintritt zur
Besichtigung des Mendelssohn-Haus,
Goldschmidtstraße 12, 04103 Leipzig,
dem Wohn- und Sterbehaus des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, mit seinen authentisch eingerichteten Räumen, originalen Möbeln, Dokumenten und Bildern aus dem Familienbesitz.

Schreiben Sie einfach unter dem Stichwort „Musikland Sachsen“ an verlosung@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Einsendeschluss ist der 17. April 2020. Viel Glück!


Tobias Hell, RONDO Ausgabe 2 / 2020



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