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N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



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(c) Caroline Doutre

Ophélie Gaillard

Fein schattiert

Nach Strauss geht es für die Cellistin wieder rückwärts in der Zeit: zu Vivaldi und seinen „Farben des Schattens“.

Die französische Cellistin Ophélie Gaillard mag es bunt und abwechslungsreich. Das offenbart schon ihr nach Titeln, Themen und Covern inzwischen so farbenprächtiger wie auch eindrucksvoll angewachsener Katalog an Aufnahmen. Die 46-Jährige will sich nicht einschränken lassen, findet, Grenzen sind zum Überwinden da. Und darum begegnet man unter ihren letzten Veröffentlichungen Barockem von Luigi Boccherini, aber auch brasilianischen Bossa Novas, die sie in stimmungsvollen Arrangements mit der südamerikanischen Sängerlegende Toquinho darbietet. Ihre letzte Scheibe hat sie Strauss’ „Don Quixote“ und dessen Cellosonate gewidmet, davor waren Exil-Komponisten wie Ernest Bloch und Erich Wolfgang Korngold dran. Und nun, nach bereits zwei Alben mit der Musik von Carl Philipp Emanuel Bach, fällt ihr scharfer, griffiger Interpretationsblick, gepaart mit einem durchaus sämig-goldenen Ton, wieder einmal auf einen Cello-Klassiker: Antonio Vivaldi. Dessen feurig-verführerische Musik schmückt den Klang ihres seltenen Francesco- Goffriller-Instruments von 1737 sehr. Auch das kam übrigens in die Schlagzeilen: Im Februar 2015 wurde es Ophélie Gaillard unter Messerandrohung vor ihrem Haus bei Paris geraubt. Nach einem Facebook-Aufruf der unerschrockenen Künstlerin wurde es freilich schon zwei Tage später anonym zurückgegeben und tönt jetzt wieder prächtig. Wie man auf dem neuen Doppelalbum „I colori dell’ombra“ herrlich hören kann: Ophélie Gaillard reduziert nämlich einerseits ihr Spektrum eben auf die „Farben des Schattens“, aber sie intensiviert es dabei auch; vor allem wenn dann noch beispielsweise ein obligates Fagott, eines von Vivaldis Lieblingsinstrumenten, sie begleitet. Ihre Partner in Baroque Crime sind dabei erneut die Instrumentalisten des von ihr 2005 gegründeten Pulcinella Orchestra. Diese wendige Kammertruppe spielt selbstverständlich auf historischem Klangwerkzeug ausschließlich und ausgezeichnet Barockmusik. Ophélie Gaillard liebt es, unerwartete Partner zu ihren Projekten einzuladen, wie etwa schon den Akkordeonisten Pascal Contet oder die Tänzer Daniel Larrieu und Sidi Larbi Cherkaoui. Diesmal lässt sie die Mezzosopranistin Lucile Richardot sowie die Contraltistin Delphine Galou zwei Opernarien einstreuen. Diese sollen zeigen, dass der prete rosso (der wegen seiner Haare „Roter Priester“ genannte) am Ospedale de la Pietà bei seinen Waisenhausmädchen wahren Multiinstrumentalistinnen vorstand. Und natürlich ließ er die für sie geschriebenen Melodien der unzähligen Instrumentalkonzerte ebenso in seine (erst in den letzten Jahren neuentdeckten) Musiktheaterwerke einfließen. Wie stets hat Ophélie Gaillard für dieses Doppelalbum ein abwechslungsreiches, einen souveränen Bogen schlagendes Programm zusammengestellt. Da gibt es zwei große Cellokonzerte (RV 416, 405), zwei für kleines Cello (RV 414, RV 424), ein Konzert für zwei Celli (RV 531), eines für zwei Celli und zwei Violinen (RV 575) und eines für Cello und Fagott (RV 409); dazu Einzelsätze, Rekonstruktionen sowie eine Streichersinfonie. Und natürlich: fein schattierte Farben!

Neu erschienen:

Antonio Vivaldi

„I colori dell’ombra“ (Cellokonzerte)

Ophélie Gaillard, Pulcinella Orchestra, Galou, Richardot

Aparté/hm

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Matthias Siehler, 28.03.2020, RONDO Ausgabe 2 / 2020



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