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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Alfred Deller

His Master’s Countertenor

Vor 40 Jahren verstarb der Wegbereiter aller heutigen Countertöne. Zu seinen Ehren gibt es seine späten Purcell-Aufnahmen auch remastered auf Vinyl.

Mit 16 Jahren, so erzählte Alfred Deller immer wieder gerne, hatte er noch eine derart schöne Knabenstimme, dass sein Chorleiter allmählich stutzig wurde. Daher riet er diesem vokalen Sonderling, doch mit dem Singen aufzuhören. Alfred verließ zwar den Chor und heuerte bei einem Männerstimmenquartett an. Doch nachdem der Chorleiter ihn da gehörte hatte, meinte er nur: „Ich verstehe das nicht, Alfred, aber Du singst so schön wie immer, der Chor braucht Dich, komm zurück und singe Alt.“ Der Rest ist, wie man so schön sagt, Musikgeschichte. Aus dem Knaben, der 1912 in der Grafschaft Kent geboren wurde, sollte der erste bedeutende Countertenor des 20. Jahrhunderts werden und damit eine Stimmlage etablieren, die es heute längst bis in die Klassik-Charts geschafft hat. „Viele Countertenöre sind in Dellers Fußstapfen getreten“, kann auch ein Ex-Sänger bestätigen, der es wissen muss. Es ist René Jacobs, der sich für seine eigene Countertenor-Karriere noch den Feinschliff bei seinem Idol holen konnte. Und wenngleich Jacobs als Dirigent mit so ziemlich allen bedeutenden Hochtönern wie etwa Andreas Scholl zusammengearbeitet hat, ist Deller für ihn weiterhin das Maß aller Dinge geblieben: „Keiner hat das Ausdruckspotential der Stimme, angefangen von feinsten dynamischen Schattierungen über ein himmlisches Messa di Voce bis hin zum atemberaubenden Pianissimo, mit größerer Vorstellungskraft genutzt als Deller.“
Seine Solistenlaufbahn konnte Deller zwar erst mit Ende des Zweiten Weltkriegs starten. Doch auch dank des Komponisten Michael Tippett, der sich für die Wiederbelebung des Schaffens von Henry Purcell den Ausnahmesänger ausgeguckt hatte, gehörte Deller bald zu den prägenden Figuren der damals noch jungen Alte-Musik-Szene. 1950 gründete er sein legendäres Deller Consort. Und bis ins hohe Alter nahm er zahllose Schallplatten auf, u. a. mit Nikolaus Harnoncourt, Gustav Leonhardt und William Christie.
Zu den Klassikern in der Deller-Diskografie zählen all die Purcell-Aufnahmen, die zwischen 1972 und 1979 für sein französisches Label entstanden sind. Darunter finden sich die Kompletteinspielungen, unter anderem von „King Arthur“ und „The Fairy Queen“ mit dem Deller Consort, aber auch Song-Recitals mit solchen Deller-Evergreens wie „Music For A While“. Anlässlich des 40. Todestages dieses Musikers sind jetzt die insgesamt fünf Purcell- Produktionen gebündelt in einer CD-Box wiederveröffentlicht worden.
Für die Vinyl-Fans und Klangkulinariker hingegen wurden die originalen Analog-Bänder feinsäuberlich remastered und in den originalen LP-Hüllen herausgebracht. Und auch wenn Alfred Deller, dieser stets wie ein englischer Edelmann wirkende Sänger, bei manchen Einspielungen bereits stolze 67 Jahre alt war, gelang ihm selbst mit seiner nicht mehr immer so höhensicheren Stimme einmal mehr das, was auch den französischen Countertenor Dominique Visse schon bei seiner allerersten Begegnung begeistert hatte: „Er berührte einen mit seiner Einfachheit – und ging einem direkt mitten ins Herz.“

Wieder veröffentlicht mit Alfred Deller:

Purcell: The Fairy Queen (3 LPs); The Indian Queen, (2 LPs); King Arthur (2 LPs); O Solitude, LP; Music For A While, LP

hm

„The Voice Of Purcell“ (7 CDs)

hm

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Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2019



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