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Sir John Eliot Gardiner (c) Sim Canetty-Clarke

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Dirigent Sir John Eliot Gardiner (76) und seine Ehefrau Lady Isabella haben sich nach 25-jähriger Ehe scheiden lassen. Isabella ist die Enkelin des legendären italienischen Dirigenten Victor de Sabata. Unvergessen die von Gardiner erzählte Anekdote, wonach das Ehepaar bei einem Langstreckenflug nach Indien ein Upgrade erhielt, weil Isabella vom Personal erkannt worden war. John Eliot dagegen nicht ...
Mozart-Sopran Sylvia McNair (63) hat nach einer schweren Krebserkrankung ihren Typ völlig verändert. „Ich verlor alle Haare“, so McNair zuhause in Bloomington (Indiana). „Danach bin ich ganz mutig geworden und habe mir gesagt: ‚Platinblond, das ist es! Und kürzer!!’“ Ihre Karriere gab die Sängerin schon vor Jahren auf. In den 80er und 90er Jahren vermochte sie eine Opern-Aufnahme zu adeln wie sonst nur Kiri Te Kanawa oder Mirella Freni (so etwa Abbados Viaggio a Reims und Gardiners Titus und Poppea). Sie unterrichtet heute und betreut Klassik-Sendungen im Radio.
Geiger Michael Barenboim glaubt, dass man mit seinem Vater, dem Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim, nicht einig sein könne. „Die Aufführungen meines Vaters klingen für mich immer wieder komplett neu, und zwar so, als entstünden sie im selben Augenblick.“ In der Musik müsse man immer möglichst voraussetzungslos und von Null anfangen zu proben. „Insofern ist es unmöglich, musikalisch miteinander einig zu sein.“ Gelernt habe er von seinem Vater (bei dem er seit Jahren auch als 1. Konzertmeister im West-Eastern Divan Orchestra spielt), „dass man mit Unbedingtheit in die Musik investieren muss“. Man müsse davon ausgehen, „dass es nichts Wichtigeres gibt als das, was man gerade spielt. Wenn das einmal gewährleistet ist, kann man über alles andere reden.“
Dirigent und Pianist Christoph Eschenbach weiß nicht, wie viel Geld er als neuer Chef des Konzerthausorchesters in Berlin verdient. „Der Vertrag kam per E-Mail, und da waren die Zahlen aus Sicherheitsgründen geschwärzt“, so Eschenbach in Berlin. Er folge den Tausenden junger Musiker, die vor ihm nach Berlin gekommen seien. „Nicht dem Geld.“ Das Klavierspielen habe er – entgegen anderslautenden Gerüchten – keineswegs aufgegeben. „Nur konnte ich ein Jahr nicht spielen, weil mir eine Sehne im Finger gerissen war.“ Er wolle wieder Sänger am Klavier begleiten. Dietrich Fischer- Dieskau etwa hatte einst auf die Frage nach seinen besten Platten das Schumann-Set genannt, das gemeinsam mit Eschenbach entstand. Auf die Frage, worauf es beim Klavierbegleiten ankomme, sagte dieser jetzt: „Auf den Text! Auch der Begleiter deutet den geschriebenen Text. Sänger und Pianist arbeiten daran gemeinsam.“ Im Februar wird Christoph Eschenbach 80 Jahre alt.
Im Streitfall zwischen der Metropolitan Opera und ihrem ehemaligen Chefdirigenten James Levine haben sich beide Seiten außergerichtlich geeinigt. Über Zahlungen wurde Stillschweigen vereinbart. Damit geht ein Skandal um Missbrauchsvorwürfe gegenüber einem Dirigenten offiziell zu Ende, der über dem Vorfall seine Karriere verlor. Hinter den Kulissen geht man davon aus, dass der Fall auch deswegen beigelegt wurde, damit die Metropolitan Opera, die jahrelang von den Vorwürfen gewusst haben soll, nicht weiter in Misskredit gerät.
Sopranistin Marlis Petersen hat die Rolle der Lulu, mit der sie jahrelang um die Welt tourte, inzwischen abgegeben, indem sie – bei der letzten Aufführung an der Metropolitan Opera im Jahr 2017 – auch den finalen Schrei selbst ausstieß. „Für den Todesschrei am Ende kommt normalerweise eine andere Sängerin ins Haus“, so Petersen in Wien. „Bei der letzten Aufführung habe ich mir ausbedungen: ‚Das mache ich jetzt alleine!’ Einsam hinter dem Paravent, habe ich die Rolle noch einmal richtig in den Orbit schießen können. Beim Abschied: schreiend.“ Petersen lebt im Wiener Alsergrund sowie in einem selbstentworfenen Haus auf dem griechischen Peloponnes.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2019



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