home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

„Tor, Tor, Tor!“ – die A40 in Essen © Till Brönner, mit freundlicher Genehmigung der Brost-Stiftung

Pasticcio

Melting Pott

Als Jazz-Trompeter hat sich der 1971 in Viersen geborene Till Brönner die (Musik-)Welt erobert. Er spielte mit vielen Größen seines Faches wie Dave Brubeck, Tony Bennett, Nils Landgren oder Klaus Doldinger, arrangierte und produzierte Alben für andere Künstler und gab nicht zuletzt dem Jazz als Fernsehjuror oder auch als Promi im Blitzlicht ein populäres Gesicht. Dafür hat er nicht nur Lob kassiert, aber unbestritten ist er einer der wenigen Deutschen, die derzeit im Jazz international Beachtung gefunden haben. 2016 lud ihn Barack Obama zur Feier des „International Jazz Day“ der UNESCO ins Weiße Haus, als einzigen deutschsprachigen Künstler an der Seite amerikanischer Jazz-Kollegen.

Seit 2010 nun hat Brönner seine zweite Leidenschaft, die Fotografie, ebenfalls zur Profession erhoben. Sein erster Bildband mit Porträts von Künstlerkollegen erschien 2014. Seinen zweiten Band konnte er soeben mit einer Ausstellung der Fotos im Museum Küppersmühle in Duisburg feiern (noch bis 6. Oktober 2019) . „Melting Pott“ heißt Brönners Porträt des Ruhrgebietes, dass er dafür über ein Jahr lang durchstreift hat. Einzelporträts, wie Fußballer Mario Götze, stehen neben Menschen des Alltags, wie den Einlaufkindern im Fußballstadion, große Industrieanlagen und in die Jahre gekommene Architektur neben Stadtpanoramen von enormer Weite. In seinen Aufnahmen verschmilzt Brönner Widersprüchliches und auch ästhetisch weit Auseinanderliegendes, Kunst und Klischee, mal in grobkörnigem Schwarzweiß, mal als knackig-scharfes Farbmotiv, zu einer Hommage des Ruhrpotts. Am liebsten zelebriert er dabei Ästhetik und fotografisches Handwerk an vielen wunderbaren, gut beobachteten Motiven. Die inhaltliche Bewertung und die Aufgabe, aus diesem „melting pot“ ein Ganzes werden zu lassen, überlässt er notgedrungen dem Betrachter. Wäre es nicht Anfang 2019 schon geschehen – für diesen Bildband wäre Brönner der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen sicher gewesen.

Till Brönner, „Melting Pott“, 224 Seiten, 62 farbige und 105 s/w-Abbildungen, €35, Wienand Verlag Köln

Carsten Hinrichs



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Fanfare

Proben, Pleiten und Premieren: Höhepunkte in Oper und Konzert

An der Staatsoper Hannover hat der Regisseur Vasily Barkhatov das „Tosca“-Libretto umgemodelt. […]
zum Artikel

Da Capo

Groß, kraftvoll, wirkungsstark

New York (USA), Metropolitan Opera – Cherubini: „Medea“ u. a.

Es hat lange gedauert, bis wir wieder einmal amerikanischen Boden betreten haben, seit November […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top