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N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



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Sidney am Rhein: Ideenskizze für ein neues Düsseldorfer Opernhaus (c) Entwurf: RKW Architektur +, Visualisierungen: Anton Kolev, formtool

Pasticcio

Neue Deutsche Oper am Rhein?

Aktuell wird bundesweit gehämmert, gebohrt, gesägt, saniert und renoviert. Denn die Substanz vieler Musentempel ist mittlerweile in die Jahre gekommen und zeigt immer öfters Risse. Auch in den beiden NRW-Metropolen Düsseldorf und Köln können die Fans von Oper und Schauspiel ein Lied von den sich hinziehenden Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen singen. In der Domstadt wird die Wiedereröffnung des Opern- und Schauspielhauses nicht nur ständig nach hinten verschoben. Die Kosten sind längst explodiert – von 250 Millionen Euro auf inzwischen 570 Millionen Euro. In Düsseldorf muss man dagegen nur noch bis Ende 2019 warten, bis das architektonisch einzigartige Schauspielhaus auf dem Gustav-Gründgens-Platz endlich wieder seine Pforten öffnen kann. Doch in Spuckweite könnten dann bereits die ersten Kräne aufgestellt worden sein. Denn das eher altehrwürdig anmutende Haus der Deutschen Oper am Rhein, das an der zentralen Heinrich-Heine-Allee liegt, muss nach dem ersten Mal 2006 demnächst wieder für mindestens ein Jahr den Betrieb einstellen bzw. auslagern. So ist speziell das Dach ziemlich marode. Laut der Stadt würden sich die Sanierungskosten auf 39 Millionen und längerfristig auf 100 Millionen Euro belaufen – und das sind nur aktuelle Schätzungen, die sich bekanntermaßen noch leicht nach oben schrauben können.
Angesichts weiterer dringender Aufgaben, zu der die überfällige Erweiterung des Orchestergrabens zählt, macht daher schon seit einigen Wochen die Idee die Runde, ob man den Fünfziger-Jahre-Bau nicht vielleicht schließen und stattdessen direkt ein brandneues Opernhaus in Auftrag geben sollte. Und wie die Lokalpresse andeutet, scheinen sowohl der OB als auch der Kulturdezernent von diesem Plan durchaus angetan zu sein.
Wenngleich nun aber noch gar nichts entschieden ist, haben bereits Architekturbüros mit wirklich beeindruckenden bis spektakulär anmutenden Vorschlägen die Diskussion um eine Neue Deutsche Oper am Rhein befeuert. Die „Projektschmiede“ etwa hat einen gläsern-transparenten Halbrundbau entworfen, der sich im Gegensatz zum alten Opernhaus auch besser an den Hofgarten anschmiegen würde. Der zweite Vorschlag stammt von „RKW Architektur +“ und scheint bei der Düsseldorfer Öffentlichkeit schon jetzt ganz oben zu rangieren. So will man das neue Opernhaus auf eine Spitze im angesagten Medienhafen setzen – was ein wenig an die Lage des Opernhauses in Sidney und der Hamburger Elbphilharmonie erinnern würde. Um die 280 Millionen würde der Neubau kosten – wobei Dieter Schmoll, geschäftsführender Gesellschafter bei „RKW Architektur +“ gegenüber dem „Express“ ergänzte: „Wir wissen aber wenig über den Untergrund im Hafen.“ Wie auch immer: sollte tatsächlich ein neues Opernhaus gebaut werden und einer dieser beiden Entwürfe realisiert werden, dürfte das auch dem künstlerischen Output der Deutschen Oper ziemlich große Flügel verleihen. Denn bis auf einige schlagzeilenträchtige Inszenierungen etwa von Stefan Herheim und Rolando Villazón spielt man im nationalen Opernhaus-Ranking schon längst auf der zweiten Geige.

Guido Fischer



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