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Mozart digital erschließen: DIME ist online (c) ISM

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Mozart Reloaded

„Gut Ding will Weile haben“, sagt der Volksmund. Dies trifft sogar in der digitalen Zeit zu, in der Schnelligkeit dann doch nicht alles ist. Und so mussten stolze 17 Jahre ins Land ziehen, in denen ein Projekt endlich Kontur annehmen konnte, das sich ganz im Sinne der User-Freundlichkeit dem Schaffen Mozarts widmet. „DIME“, so das Kürzel für die „Digital-Interaktive Mozart-Edition“, lautet das gerade in Salzburg freigeschaltete Portal, das von der Stiftung Mozarteum Salzburg in Kooperation mit dem Packard Humanities Institute in Los Altos, Kalifornien in langjähriger Arbeit entwickelt wurde. Schon 2001 hatte man die Öffentlichkeit vom Aufbau einer neuer Digitalen Mozart-Edition informiert, bei der sämtliche Werke von Mozart im elektronischen Format weltweit jedem Interessierten, ob Mozart-Genießer oder Mozart-Musikwissenschaftler, zur Verfügung stehen sollten.
Vier Jahre später konnte man immerhin mit der Neuen Mozart-Ausgabe bereits den ersten Teil seines Versprechens einlösen. So wurde mit der „NMA Online“ zum ersten Mal überhaupt eine aktuelle Musiker-Gesamtausgabe für jedermann im Internet verfügbar. Für die Umsetzung des zweiten Teils „DIME“ hat es dagegen etwas länger gedauert, wobei die Verantwortlichen bei der Präsentation rasch hinzufügten, dass es auch jetzt noch viele weitere Jahre dauern wird, bis Mozarts gesamtes, über 600 Werke und 25.000 Seiten umfassendes Schaffen in digitaler und vor allem interaktiv nutzbarer Form vorliegen wird. Denn genau darum geht es schließlich: Jedes einzelne Mozart-Werk ist dann nicht nur einfach als Notensatz abrufbar, man kann etwa durch Filterung nach einzelnen Stimmen vielfältig und noch tiefer in den Notentext eintauchen. Zudem soll jedes Stück auch anhand synchron geschalteter Einspielungen oder MIDI-Aufnahmen mitgelesen werden können. Sogar in die Partituren kann man eingreifen und sich etwa per Copy & Paste seine eigenen Mozart-Stückerln komponieren.
Möglich macht all das „MOVI“ – ein dafür eigens entwickelter „digital MOzart score VIe-wer“. „Es ist eine Revolution bei der Darbietung von Notentexten“, findet auch Ulrich Konrad, Vorsitzender der Akademie für Mozartforschung der Stiftung Mozarteum.
Kostenlos kann man sich schon jetzt davon einen Eindruck verschaffen. Zwar lässt das Angebot an Partituren mit gerade einmal acht KV-Nummern noch etwas zu wünschen übrig. Auch hakt es technisch hier und da, wenn man wie geplant etwa das „Ave verum corpus" Note für Note, Takt für Takt gleichzeitig hören und mitlesen kann, das bei der „kleinen Nachtmusik“ aber noch nicht so recht funktionieren will. Dennoch: Diese Geburtsfehler werden sicherlich schon bald behoben sein, und die Musikwelt den unermesslichen, hier zugänglich gemachten Schatz tagtäglich mit Freuden heben.

Guido Fischer



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