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Doktor Stradivari

Folge 32: Das Mädchen an der Harfe

Der Mann, der sich mit Doktor Stradivari in einem Café traf, stellte sich als Detektiv Müller vor. „Ich arbeite für eine Versicherung“, sagte er, „und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie uns helfen könnten.“ Stradivari erklärte, dass er dazu bereit wäre. Müller zeigte dem Doktor auf dem Handy ein modernes Gemälde, auf dem vage eine Kinderfigur zu sehen war, die vor einem großen Gegenstand saß. „‚Das Mädchen an der Harfe‘“, sagte der Detektiv. „Ein Bild des Spätimpressionisten Pascal du Moulin. Es ist eine halbe Million Euro wert und es wurde aus der Wohnung der Besitzer gestohlen.“
„Und es war bei Ihnen versichert?“ „Ganz genau. Es gehörte dem Ehepaar von Weinstrauch. Ich habe keinen Beweis, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Besitzer unsere Firma betrügen wollen.“ „Was hat denn die Polizei ermittelt?“ „Die von Weinstrauchs sagen, sie hätten am besagten Tag zwischen 20:30 Uhr und 21 Uhr einen Spaziergang gemacht. Vorher haben sie etwa eine halbe Stunde, also von 20 bis gegen 20:25 Uhr, gemeinsam Klavier gespielt. Vierhändig. Es sind Hobbymusiker, die aber Musik studiert haben. Der über ihnen wohnende Nachbar hat ausgesagt, dass zu dieser Zeit tatsächlich ein Werk für Klavierduo in der Wohnung zu hören war. Er kannte es sogar. Die Suite op. 5 von Rachmaninow.“
„Das Stück ist mir bekannt“, sagte Stradivari. „Es ist tatsächlich für Klavierduo geschrieben und dauert gut zwanzig Minuten.“ „Es ist also plausibel. Und als sie dann zurückkamen, war das Bild weg.“ „Gibt es denn keinen Hinweis auf den oder die Täter?“ Müller seufzte. „Jein. Die Polizei hat in letzter Zeit mit einigen ähnlichen Fällen zu kämpfen, und sie nimmt an, dass sie alle auf das Konto eines bestimmten Täters gehen. Heiko Busch, ein Berufseinbrecher. Die Tat bei den von Weinstrauchs trägt dessen Handschrift. Leider hat er das beste Alibi. Um fünf nach halb neun klingelte bei ihm die Polizei, um ihn wegen einer anderen Sache zu vernehmen, und er war zu Hause. Um vom Tatort dorthin zu kommen, hätte er knapp 15 Minuten gebraucht.“
„Haben Sie Bilder von der Wohnung des Ehepaars?“ „Leider nicht. Was wollen Sie denn wissen?“ „Mich würde interessieren, was für ein Klavier sie haben.“ Müller machte ein erstauntes Gesicht. „Ist das wichtig? Na ja, wenn Sie meinen … Da steht ein Flügel. Das Wohnzimmer ist nicht groß, er passt gerade so rein. Und dann gibt es noch ein Schlafzimmer, ein Bad und ein recht kleines Arbeitszimmer. Dort hing auch das Bild. Der Einbrecher kam von der Terrasse aus.“ Müller sah ratlos seine Tasse an. „Es scheint, als hätte ich mich geirrt. Wir werden das Geld wohl bezahlen müssen.“ „Glauben Sie?“, sagte Stradivari. „Das sehe ich anders. Wenn alles stimmt, was Sie mir berichtet haben, haben sich die von Weinstrauchs durchaus des Versicherungsbetrugs verdächtig gemacht. Und ich glaube auch, dass Busch der Täter war.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

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Auflösung aus Magazin 2/2018:

Zunächst wirkt Kiesfelds Alibi wasserdicht: Während der fraglichen Zeit des Mordes hörte die Nachbarin ihn und Lucia del Bergamo ununterbrochen proben. Wie hätte er die 4 Minuten Weg ins Nachbarhaus für den tödlichen Schuss und zurück unterbringen sollen? Doch Stradivaris Blick bleibt am Programmzettel hängen: Er erinnert sich, dass die „Tzigane“ von Maurice Ravel mit einem gut vierminütigen Solo für die Violine beginnt. Im Spielfeuer hätte die blinde Frau del Bergamo wahrscheinlich auch kaum mitbekommen, wenn ihr Klavierpartner die Chance genutzt hätte – ein wahrhaft mörderisches Tacet!


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 3 / 2018



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