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(c) Monika Rittershaus

Verschwenderischer Exhibitionismus

Berlin, Deutsche Oper: Korngolds „Das Wunder der Heliane“

Ein Wunder für das „Wunder“! Der Skandal der Erlöseroper „Das Wunder der Heliane“ von Erich Wolfgang Korngold bestand 1927 darin, dass sich die Ehefrau eines totalitären Herrschers auf offener Bühne auszieht und nackig macht. Schon als Christian Thielemann noch GMD an der Deutschen Oper Berlin war, wollte er das Werk bringen. (Doch Gabriele Schnaut, die singen sollte, fehlte es an ausreichendem Exhibitionismus …) Jetzt, viele Jahre später, ist dem Werk unter Leitung von Marc Albrecht ein Triumph vergönnt, wie man ihn in Berlin lange nicht erlebte. Die Ausgrabung des Jahres. Vor allem, weil überragend gut gesungen wird.
Sara Jakubiak zeigt einen verschwenderisch flutenden, wintersonnig gleißenden US-Sopran: kalte Pracht, aber doch echte Pracht. Brian Jagde als Fremder, gleichfalls kein Star, ist eine australische Tenor-Luxuslimousine in Silberkarosserie. Er lässt noch auf den letzten Metern den Motor beeindruckend aufheulen. Und ein besseres Rollendebüt als das von Derek Welton als Pförtner hat man hier kaum je erlebt.
Der eigentliche Star des Abends – auf dem Papier – wäre Regisseur Christof Loy. Seine ‚Grundidee’ besteht darin, alles in einem edel vertäfelten Gerichtssaal spielen zu lassen. Mit Heliane als ‚Zeugin der Anklage’; was zur Trivialhymnik manch hollywoodesker Filmmusik- Anspielung gut passt. Nur folgt zu wenig daraus. Der Prachtsaal ist bloßes Passepartout einer Nullsummen-Inszenierung, von der außer Personenregie wenig übrig bleibt.
Auch versteht man nicht, weshalb Donald Runnicles sich als GMD bei dieser Produktion aus der Pflicht stiehlt. Korngolds zweites Hauptwerk (neben „Die tote Stadt“) ist in Butter geschwenkte Spätromantik, die ihm eigentlich hätte liegen müssen. Stattdessen wälzt es unter Marc Albrechts Leitung auf höchster Flamme dreistündig und zu heiß vor sich hin. Quillt und quillt wie das unerschöpfliche Töpfchen in Grimms Märchen. Dennoch ein Triumph – oder sogar eben drum?! Im Herbst soll die Aufführung auf CD erscheinen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2018



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