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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Ailyn Pérez (c) Dario Acosta

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Die georgische Mezzo-Sopranistin Anita Rachvelishvili, bekannt für eine überdimensional große Stimme, hat für ihre Debüt-CD bei der Sony bestimmte Arien „20 Mal aufgenommen“, bevor sie zufrieden war. „Ich stand hinter dem Orchester!“, so Rachvelishvili, „weit weg vom Mikrofon“. Wobei die alten Mikrofone sich als die oft besseren erwiesen. – Dass das Timbre ihrer Stimme an Rotwein erinnert, wundert die Sängerin dagegen nicht. „Ich liebe Rotwein. Und der georgische Wein aus meiner Heimat ist der beste. Sehr stark, sehr voll und dunkel. Mein Vater stellt ihn her.“
Opern-Regisseur Stefan Herheim muss lachen, wenn er heutige Inszenierungen sieht. „Ich lache oft, meist weil es durch handwerkliche Mängel mancher Regisseure unfreiwillig komisch wird.“ Dagegen müsse man, wenn man komische Opern inszeniere, „höllisch aufpassen, durch Zwangsmodernisierung nicht in eine neue Biederkeit hinein zu rutschen“. Ab 2022 übernimmt Herheim mit dem Theater an der Wien erstmals eine Leitungsfunktion. Er sehne sich nach einer „künstlerischen Heimat“. Außerdem sei der ständige Wechsel anstrengend, besonders wenn manche Opernhäuser „die Begrenzungen ihrer Bühnen“ im Vorfeld „verschweigen“. „Sowas im Nachhinein auszubaden ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung.“
Primadonnen und Hündchen: Dies wäre auch einmal ein ergiebiges Thema! Sängerinnen wie Deborah Voigt und Kiri Te Kanawa wichen ihre Hündchen privat nicht von der Seite. Margaret Price nahm die ihren sogar mit auf die Bühne. Met-Star Ailyn Pérez benannte ihren Hund nach dem mexikanischen Agaven- Schnaps „Tequila“. „Er liebt es Socken zu jagen, was meist damit endet, dass ich hinter den Socken herjage und der Hund hinter mir“, so Pérez in New York. Apropos Primadonnen und Alkohol: „Ich liebe Tequila! Mein Urgroßvater begann jeden Tag mit einer Banane und einem Glas Tequila und ist sehr alt geworden. Zwei meiner Tanten sind 108 und 104 Jahre alt.“
Der britische Dirigent Leo Hussein glaubt, dass Mozart der womöglich größte Komponist von allen war, weil er Instrumente wie menschliche Stimmen behandelte. „Mozart besaß daher einen originären Zugang zur Melodie und war der erste, wahre Belcanto-Komponist.“ Seine Musik sei ebenso pur wie komplex. Er sollte daher die musikalische Homebase für uns alle sein. „Darum nämlich, musikalisch komplexe Sachverhalte einfach zu gestalten, geht es doch.“
Die schwedische Wagner-Heroine Nina Stemme glaubt nicht mehr an die herausragende Bedeutung von Bayreuth. Früher einmal seien die Bayreuther Festspiele „eine echte Weltbühne für Wagner“ gewesen. „Heute nicht mehr“, so Stemme gegenüber der Zeitschrift „Oper!“. „Ich habe den Kontakt zu den Festspielen verloren seit 2010“, so Stemme. „Seit Wolfgang Wagners Tod.“ Der Vorteil, wenn man nicht im Festspielhaus singe, bestehe darin, dass man nicht mehr den ganzen Sommer lang weg ist. „Ich kann ehrlich sagen: Ich habe seit Jahren keine Anfragen mehr aus Bayreuth.“
Bariton Michael Volle, der an der Berliner Staatsoper seinen ersten Falstaff singt, betrachtet die Rolle des übergewichtigen Zausels nicht als Lizenz zum Zunehmen. „Fett schwingt nicht“, so Volle in Berlin. Es nütze nichts, für Falstaff mehr Kilos auf die Waage zu bringen. Dagegen begleite er nach der Vorstellung seine Kollegen gern zum Biertisch. Freilich: „Wenn man danach zusammensitzt, sackt man irgendwann zusammen. Man ist schlapp und aufgedreht zugleich.“ Dieser Wechsel mache indes wiederum süchtig. „Könnte ich ein Vierteljahr nicht singen, würde ich sehr ungemütlich daheim.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2018



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