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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Klang · Boulevard

Mario Biondi (c) Marcos Hermes

Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Ein Italiener in Brasilien

Ein Nummer-Eins-Künstler aus Italien entdeckt die brasilianische Musik! Für uns Nordeuropäer bedeutet das: südländisches Temperament hoch zwei, und genau das erlebt man beim neuen Album von Mario Biondi in Reinkultur. Es ist die ganze Fülle von gut arrangierten Coverversionen brasilianischer Superhits, die der Mann mit einer an Barry White erinnernden Stimme hier ausbreitet – rhythmisch, tanzbar und auf anspruchsvolle Weise eine Quelle für gute Laune. Für die Produktion hat sich Biondi übrigens tatsächlich nach Rio de Janeiro begeben und mit einer Reihe brasilianischer Gaststars zusammengearbeitet. Besonderes Highlight: die Version von Sade Adus Superhit „Smooth Operator“ mit Till Brönners unverwechselbarer Jazz-Trompete.

Brasil

Mario Biondi

Sony

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Jóhannssons Erstling – und sein Abschied

Anfang Februar 2018 starb der preisgekrönte isländische Komponist, Keyboarder und Filmemacher Jóhann Jóhannsson mit gerade einmal 48 Jahren in Berlin. Es mag eine seltsame Fügung des Schicksals sein, dass Jóhannsson am Ende seines kurzen Lebens noch einmal damit beschäftigt war, eine neue Version seines ersten, 2002 erschienenen Albums neu abzumischen und mit Erweiterungen zu versehen. Mit „Englabörn“, das auf Jóhannssons frühen Theatermusikwerken beruht, war der Komponist vor sechzehn Jahren zu einer Ikone der musikalischen Landschaftsmalerei geworden. Millionen Fans schätzen seine ebenso poetische wie expressive Verbindung aus Klassik, Elektrosound und Jazz als Inbegriff der Übersetzung isländischer Naturbilder mit den Mitteln der Musik. Das Projekt, das sein Debüt beim Label hätte werden sollen, erscheint nun als Doppelalbum mit erweiternden „Variations“ als sein Vermächtnis.

Englabörn & Variations

Jóhann Jóhannsson

DG/Universal

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Die Klangpanoramen des Tony Banks

Viele der großen Rock-Größen zieht es ja ab einem bestimmten Alter zur Klassik. Da macht auch Tony Banks keine Ausnahme. Seit einigen Jahren komponiert der ehemalige Keyboarder der Gruppe Genesis nicht mehr für Rockband, sondern für Sinfonieorchester – freilich nicht ganz ohne Hilfe eines versierten Orchestrierungsprofis. Das Album „5“ etwa entstand zusammen mit dem Dirigenten und Arrangeur Nick Ingman, dem man wohl den abgerundeten Klang der dahinwogenden Akkordflächen zu verdanken hat: In weiten Wellen tragen sie die lyrischen Melodiebögen und werden nur gelegentlich von drohenden Bassläufen oder einsam dahinsegelnden Bläsersoli unterbrochen. Gelegentlich mischt sich in die dahinfließenden Panoramen des Tschechischen Nationalen Sinfonieorchesters Banks’ Klavierspiel und gibt diesen mal lyrischen, mal meditativen, mal bombastischen und mal minimalistisch vorantreibenden Klangbildern einen besonderen Schliff.

5

Tony Banks

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Katja Riemann und Willemsens Tier-Karneval

„Wer nur für Kuschelklassik wirbt, der weiß nicht, was statt ihrer stirbt!“ Das ist nur eine der vielen ebenso wahren wie nachdenklichen Zeilen, die dem 2016 verstorbenen Literaten Roger Willemsen ausgerechnet in einem Werk aus der Feder flossen, in dem man sie gar nicht erwarten würde: in seiner Textversion zu Camille Saint-Saëns’ Klassik-Hit „Der Karneval der Tiere“. Schon 2003 erschien der gereimte Text erstmals, jetzt erhebt Katja Riemanns Rezitation ihn zusammen mit der musikalischen Interpretation der Pianisten Lucas und Arthur Jussen sowie den RCO Chamber Soloists in die oberste Etage des Klassik-Olymps. Willemsens „Karneval“ ist kein Kinderstück, sondern ein entlarvendes und gelegentlich sogar bissiges Panoptikum, in dem die musizierenden Tiere zu Karikaturen so mancher Protagonisten des Klassik-Betriebes mutieren – etwa, wenn der Elefant als Dirigent von 70 Kränen auftritt oder ein gewisser geigender Walzer-Orchesterleiter mit den Worten „wer so herzergreifend schleimt, bleibe künftig unbereimt“ bedacht wird …

Der Karneval der Tiere

Katja Riemann, Lucas und Arthur Jussen

DG/Universal

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Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2018



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