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Boulanger Trio

Brückenschläge

Für seine Konzertreihe „Boulangerie“ lädt das Boulanger Trio stets zeitgenössische Komponisten ein – wie jetzt den kubanisch-amerikanischen Wahl-Österreicher Jorge E. López.

Im Klassikbetrieb machen sich Konzerthausmanager, Soziologen und Pädagogen am laufenden Band Gedanken darüber, mit welchen Strategien und Events man gerade jüngeres Publikum „abholen“ kann. Noch komplizierter wird es, wenn zeitgenössische Musik ins Spiel kommt. Da gehen bei vielen immer noch reflexartig die Klappen runter. Seit 2012 schaffen es diese drei Musikerinnen aber tatsächlich, die Neugier für avancierte Klänge derart zu wecken, dass ihre etwas anderen Salon-Konzerte regelmäßig blendend besucht und oftmals ausverkauft sind. „Boulangerie“ haben die drei Damen des Hamburger Boulanger Trio ihre Konzertreihe getauft. Und das Erfolgskonzept ist im Grunde denkbar einfach. Für jede „Boulangerie“ wird ein zumeist namhafter Komponist eingeladen, mit dem man sich über seine Arbeit und nicht zuletzt über ein von ihm mitgebrachtes Stück unterhält. Und weil das Boulanger Trio stets den Bogen von der Tradition in die Gegenwart schlagen will, lädt das Ensemble seinen Gast zudem ein, sich ein oder zwei Werke aus dem riesigen Klaviertrio-Repertoire auszusuchen. Auf Wunsch etwa des in Kuba geborenen Komponisten Jorge E. López, der in der April-„Boulangerie“ im Mittelpunkt stehen wird, stellt das Boulanger Trio dem López-Opus jeweils ein Klaviertrio von Haydn und Schostakowitsch zur Seite.
Auch über eine solche Konzertdramaturgie gelingt es dem Boulanger Trio, die berühmtberüchtigten Berührungsängste vor musikalisch scheinbar allzu Sperrigem abzubauen. „Wir hatten ein geselliges Konzertformat im Sinn, bei dem es gerade durch die persönliche Begegnung mit einem Komponisten auch zu einem lebendigen Austausch mit dem Publikum kommen soll“, so Cellistin Ilona Kindt. Vorbild für dieses Konzertformat war ein Musiksalon, den die berühmte Namenspatronin des Trios, die französische Komponistin und Lehrerin Nadia Boulanger, ab den 1920er Jahren in Paris jeden Mittwoch veranstaltete.
Schon längst zieht die „Boulangerie“ aber nicht nur in Hamburg und Berlin mittlerweile ein Stammpublikum an, sondern seit einiger Zeit auch im Wiener Musikverein. Und die Liste der eingeladenen Komponisten liest sich durchaus wie ein Who´s Who der Neuen Musik. So waren Toshio Hosokawa, Johannes Maria Staud, Kaija Saariaho sowie der österreichische Altmeister Friedrich Cerha bereits zu Gast.
Nun also trifft man auch in Wien (22. April) auf Jorge E. López, der einer der interessantesten Komponisten der Gegenwart ist. Die Werke des in Kalifornien ausgebildeten und seit 1991 in Oberkärnten lebenden Musikers werden auf großen Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen und den Salzburger Festspielen aufgeführt und wurden vielfach ausgezeichnet. Und der das Boulanger Trio ungemein bewundernde Wolfgang Rihm meinte einmal über seinen Komponistenkollegen: „Wenn der Begriff des Originellen – ja sogar des Originals – noch etwas bedeutet, dann wird er von Jorge E. López verkörpert.“ Ein eigenes (Klang-)Bild kann man sich nun bei der kommenden „Boulangerie“ machen. Und wer nach dem Konzert vielleicht von den Musikerinnen und dem Komponisten noch Näheres erfahren will, der kann dies traditionell bei Baguette und einem Gläschen Wein tun.


www.boulangertrio.de
www.musikverein.at
Tickets: +43 (1) 5 05 81 90


Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2018



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