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Das Opernleben ist so ungerecht! Daniel-François- Esprit Auber war mal einer der meistgespielten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Auch mit dem seit 15 Jahren nirgends mehr gespielten „Le Domino noir“. Der bleibt eine harmlose, sich feinsäuberlich lösende Verwechslungs- und Verkleidungsgeschichte um eine künftige Äbtissin auf Abwegen, die sich in eben jenem, nicht ganz fantasievollen Kostüm auf einem Maskenball einen frivolen Liebesspaß machen will. Das ist prickelnde, gehaltvoll unterhaltende Musik. Die jetzt – einmal mehr – die Opéra Royal de Wallonie auf den Spielplan gebracht hat.
Dafür wurde zur nachhaltigen Begeisterung eine weitgehend französische Equipe zusammengestellt, die mit Geschmack und Witz, Buntheit und Vitesse dieses kleine Bijou zum Funkeln brachte.
Schließlich geht es hier um nicht viel mehr als um Horace (quicker Spieltenor: Cyrille Dubois), der sich auf der Maskerade der Königin von Spanien in eine schöne Unbekannte (mit geläufiger Gurgel: Anne-Catherine Gillet) verliebt. Das Regie-Team Valérie Lesort und Christian Hecq setzt auf Kostümirrsinn und Vaudeville- Tempo. Während hinten, im halbtransparenten Salon barock discogetanzt wird, gibt es vorn zwischen roten Bänken eine groteske Verkleidungsshow. In dem vergnügungssüchtigen Bestiarium, wo auch die Dominosteine und Vorhangquasten tanzen, tummeln sich zudem Quallen und andere Tierchen.
Im zweiten Akt hat das Publikum dann seinen Spaß mit der üppig ausgepolsterten Haushälterin Jacinthe und deren Galan. Ein sprechendes Spanferkel gibt es außerdem. Im dritten Akt flüchten steinerne Karyatiden höchst beweglich, und mittendrin benimmt sich die ambitionierte Mitschwester sehr böse. Das ist so schaumiger wie schmusiger, zweckfreier Singspaß, den alle Beteiligten als gutgelaunte Revue abschnurren lassen. Patrick Davin moussiert mit ebensolcher Freude das Orchester der Opéra Royal de Wallonie mit schönen Schaumkringeln.
Matthias Siehler, 07.04.2018, RONDO Ausgabe 2 / 2018
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