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Paavo Järvi (c) Julia Bayer

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Dirigent Paavo Järvi glaubt, dass Dirigenten möglicherweise überschätzt werden. „Es gibt Orchester“, so Järvi, „die keinen Dirigenten brauchen“. Nur: „Egal wie gut die Orchester sind, ohne Dirigenten interessiert sich kaum jemand für sie.“ Mit anderen Worten: „Dirigenten sind für das Publikum da. Und vielleicht für das Orchester.“ – Dennoch seien verschiedene Komponisten sehr unterschiedlich schwer zu dirigieren. „Ich persönlich finde, dass Igor Strawinski, bei dem alles genau in den Noten steht, viel leichter zu dirigieren ist als Joseph Haydn“, so Järvi. „Ein Sinfoniker wie Schubert ist fast unmöglich gut aufzuführen.“ Beinahe zu schwer für ihn sei Beethovens Dritte. „Ich mache sie aber trotzdem. Bruckner und Mahler sind nicht allzu schlimm. Aber eine Eroica? Ich bin tot danach.“
Die lettische Organistin Iveta Apkalna glaubt, dass die Fähigkeit zu tanzen für Organisten von Vorteil ist. „Ich kenne viele, die tatsächlich gute Tänzer sind“, sagte sie in Berlin, wo sie lebt. „Ich selber habe viele Jahre an Tanzwettbewerben teilgenommen.“ Orgel-Auftritte müsse sie im Übrigen absagen, falls sie ihre speziellen, aus Ziegenleder mit flexibler Sohle gearbeiteten Schuhe vergesse. „Die Schuhe kommen ins Handgepäck“, so Apkalna. Darin bestehe für sie der Hauptunterschied zum Urlaub. „Kein Schuh in der Handtasche, das ist symbolisch.“
‚Filmmusik-Papst‘ Frank Strobel meint, dass Konzert- und Opernhäuser heute die Lücke füllen, die durch den Wegfall von Kinoorchestern der Stummfilmzeit eingetreten sei. „In Berlin etwa gab es in den 20er Jahren schätzungsweise 30 Filmpaläste mit eigenem, fest angestelltem Orchester. Die spielten zwei bis drei Vorstellungen pro Tag“, so Strobel. „Rechnen tat sich das, weil alle großen Kinos 2000 bis 3000 Plätze hatten“. Wenn sich heute viele Zuschauer schwer täten mit dem Ansehen von Stummfilmen, so liege dies auch daran, dass die monumentalen Kinos fehlen. Es gäbe indes „an die 1000 Stummfilme, die aufgearbeitet und mit Musik ausgestattet sind“. Die Lage sei weit besser als etwa bei der Operette, wo vieles durch Kriegsschäden in Deutschland verlorengegangen ist.
Harfenist Xavier de Maistre kann die Klischees nicht mehr hören, wonach die Harfe das Instrument der Engel sei und Nero die Lyra gespielt habe, während er sich am Anblick des brennenden Rom ergötzte. Man habe, als er selber jung war, recht „eigenwillig“ sein müssen, um den Vorurteilen zu widerstehen und trotzdem Harfe zu spielen. – Die Geschichte hingegen, wonach er mit dem Instrument angefangen habe, weil er sich in seine Lehrerin verliebt habe, die nebenbei Harfe spielte, sei richtig. „Wir sind bis heute sehr gut befreundet. Sie ist die Patentante meiner Tochter.“
Opern- und Theaterregisseur Olivier Py tritt seit 30 Jahren im Nebenberuf als Dragqueen auf. Sein Bühnenname: Miss Knife. „Das ist vermutlich eher ungewöhnlich für jemanden, der nebenbei das Theaterfestival von Avignon leitet“, so Py in Berlin. Er verkörpere den Bühnencharakter etwa 25 Mal pro Jahr – meist im Cabaret. „Ursprünglich handelte es sich um eine Messerwerferin. Jetzt ist sie zu alt dafür.“
Sopranistin Sonya Yoncheva hält nichts von der Vorstellung, ‚die neue Anna Netrebko‘ zu sein. „Mein Repertoire ist ein völlig anderes“, so Yoncheva in Paris. „Mir würde die Vorstellung auch nicht gefallen. Wir Sänger wollen unverwechselbar sein und keine ‚neue X‘ oder ‚neue Y‘ “. Anna Netrebko und sie gehörten zwei unterschiedlichen Generationen an, das sei alles. „Netrebko ist zehn Jahre älter.“

RONDO Ausgabe 1 / 2018



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