home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Künstler · Gefragt

Rudolf Buchbinder

Debüt mit Mozart

Es war eine ungewohnte Versuchsanordnung im großen Saal des Wiener Musikvereins. Mit Nikolaus Harnoncourt und Rudolf Buchbinder verbanden sich im Juni zwei musikalische Urgesteine aus sehr unterschiedlichen Formationen. Für ihr prestigeträchtiges Treffen auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis wählten sie zwei Klavierkonzerte Mozarts, die sich gegenüberstehen wie fremde Planeten. Hier das A-Dur- Werk, eine maßvoll-konventionelle Publikums-Beschwichtigung nach den Herausforderungen der Vorgänger, etwa blass, gäbe es nicht diesen Abgrund in fis-Moll, der in seiner Mitte klafft, dort die thematisch neutralen Marmormassen des großartigen C-Dur-Konzerts KV 503.
Das Ritornell des letzeren habe ich noch nie so bläserschmetternd und kernig gehört – umso einsamer und fragiler erhebt das solistische Individuum seine Stimme. Mir bekannte Aufnahmen auf historischen Instrumenten stellten diesen Kontrast nicht so verstörend heraus. Glaubt man den Rezensenten des Konzertabends, war der gediegene Walter-Nachbau Paul McNultys, auf dem Rudolf Buchbinder zugleich sein Hammerklavier- Debüt auf CD gibt, ab der Saalmitte kaum mehr zu hören. Die Tontechnik sorgt hier für Ausgleich – den ansteckenden Concentus-Furor dämmt sie indes nicht.
Rudolf Buchbinders üblicherweise kraftvoll meisselndes, motorisches Mozart-Spiel scheint den brillanten Ton des modernen Flügels regelrecht zu verlangen. Umso bewunderungswürdiger, wie er sich in das gedecktere Klangbild des Hammerflügels findet, Harnoncourts inspirierter Alterswildheit unterordnet und auf seine zarten Einwürfe wartet, was erwartungsgemäß im A-Dur-Konzert besser gelingt. Diese Aufnahme bietet kein Bild Mozartscher Aufführungsbedingungen, sondern neugierigrisikofreudiges, stellenweise mitreißendes Experimentieren.

Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Nr. 23 und 25

Rudolf Buchbinder, Nikolaus Harnoncourt, Concentus Musicus Wien

Sony

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Matthias Kornemann, RONDO Ausgabe 6 / 2012



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Fanfare

Proben, Pleiten und Premieren: Höhepunkte in Oper und Konzert

Eidgenossen sind eigen. Obwohl die Salzburger Festspiele wie auch die Oper Hamburg coronabedingt […]
zum Artikel

Pasticcio

Schuldspruch

Im Zuge der #metoo-Debatte kommen auch in der Klassik-Branche immer wieder neue Fälle der […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top