home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Startseite · Konzert · Da Capo

(c) Monika Rittershaus

Friedens-Workout: Philip Glass`„Satyagraha“

Berlin, Komische Oper

Ewige Blink- und Blitzgewitter. Aufreibende Zählorgien und Hüpfexzesse. Der Stil von Philip Glass ist auf Anhieb wiedererkennbar – und hat dem heute 80-Jährigen viel Geld und Neid der Kollegen eingebracht. Seine inzwischen 25 Opern vollziehen einen eleganten, kreativen Abwärtsschwung. „Satyagraha“ aber, uraufgeführt 1980 (kurz nach „Einstein On The Beach“), hat noch ganz den Kontrastreichtum, suggestiven Sog und politischen Dorn im Hintern, womit gute Phil Glass-Opern sich auszeichnen. An Berliner Opernhäusern war – allen internationalen Erfolgs unerachtet – nie eine Oper des Komponisten zu sehen. Auch „Satyagraha“ ist, bei Lichte besehen, eine Koproduktion mit Basel. Der Choreograf, dem man das Werk anvertraut hat, war in Berlin gleichfalls nur bekannt als Zuarbeiter eines fatalen „Ring des Nibelungen“ an der Staatsoper (Regie: Guy Cassiers). Andernorts erfreut sich Sidi Larbi Cherkaoui einer sogar kultischen Verehrung.
Warum nur? Die Bewegungskonfektion, die Cherkaoui für Glass’ Dreistünder ersonnen hat, läuft auf immer dieselben Spiralbewegungen, Pirouettensprünge und Drehwürmer hinaus – bei erschwerter Armarbeit. Man kennt das seit 30 Jahren. In den besten Momenten führt Cherkaoui all das als Workout-Tapete zur Modern Dance-Eurythmie vor.
„Satyagraha“ (wörtlich: die Kraft der Wahrheit) meint in dieser Mahatma Gandhi-Oper die konfliktlösende Macht von Gewaltlosigkeit und Duldung. Dagegen hat das Orchester der Komischen Oper (trotz Jonathan Stockhammer als Dirigent) mit den winkelgeraden Rhythmen, gelegentlich auch Hackrouladen, seine liebe Müh’. Es hebt nicht recht ab. Immerhin: Das mag sich mit der Zeit noch besser eingrooven. Dank Stefan Cifolelli als Gandhi wird man von Friedens-Eiapopeia souverän eingelullt. In Wirklichkeit übrigens sah Gandhi in seiner (hier thematisierten) Zeit in Südafrika noch gar nicht so aus, wie man ihn heute kennt. Besaß sogar noch Haare. Wir antworten: Omm …

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2017



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Antisemitisch!

Nachrichten und Meinungen aus der Musikwelt

Lange ist es her, als der englische Geiger Nigel Kennedy mit seinem Irokesen-Haarschnitt und […]
zum Artikel

Gefragt

Capella de la Torre

Feuer und Flamme

Bläsermusik der Renaissance muss nicht laut und rustikal klingen. Katharina Bäuml, Leiterin des […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top