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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Federstrich zum Neuanfang: Kirill Petrenko und Andrea Zietzschmann bei der Unterzeichnung (c) Kai Bienert

Pasticcio

Eine sehr gute Wahl!

Tempi passati, alles Schnee von gestern. Wer will sich wirklich noch an die schlagzeilenträchtige Unentschiedenheit erinnern, mit der die Berliner Philharmoniker die Nachfolge ihres Chefs Simon Rattle regelten? Schließlich kann man auch anders, fix und ohne großes Gezeter. So hat vor einigen Tagen Kirill Petrenko fast beiläufig seine Unterschrift unter den Vertrag bei den Philharmonikern gesetzt, der ab 2019 gültig sein wird. Außerdem wurde aber gleich noch eine zweite, nicht weniger gewichtige Personalie verkündet und gleich in trockene Tücher gewickelt. Schon 2017 tritt die hocherfahrene Orchester- und Kulturmanagerin Andrea Zietzschmann ihren Job als neue Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker an. „Die Berliner Philharmoniker sind halt die Berliner Philharmoniker“, so Zietzschmann in ihrem ersten Kommentar. „Das ist ein Ausnahmeorchester, bei dem es keine Grenzen nach oben gibt, künstlerisch ist alles möglich. Ich freue mich sehr auf die eine Spielzeit zusammen mit Sir Simon Rattle, von dessen Erfahrungen ich profitieren kann, und dann den Übergang zu gestalten in die neue Ära Kirill Petrenko. Ich glaube, das wird eine spannende Zeit und eine große Aufgabe für das Orchester und uns alle als Team.“
Dass Zietzschmann diese Prognose ohne Abstriche umsetzen wird, kann man bereits voraussagen. Denn sie gehört zu den wenigen ihres Fachs, die in all ihren unterschiedlichen Aufgabenbereichen nie unter ihrem eigenen Anspruch geblieben ist und daher überall Spuren hinterlassen hat. Sie war Musikchefin des Hessischen Rundfunks und sorgte nicht zuletzt mit Chefdirigent Paavo Järvi sowie dem Festival „CRESC - Biennale für Moderne Musik“ für erstaunlich neuen Schwung in der Main-Metropole. Zietzschmann war von 1997 bis 2003 Intendantin des Mahler Chamber Orchestra, arbeitete dort eng mit Daniel Harding sowie mit Claudio Abbado zusammen, mit dem sie später dann auch das Lucerne Festival Orchestra gründen sollte. Und aktuell herrscht in Hamburg bzw. Hannover Katerstimmung – wo Zietzschmann erst seit 2013 die vier NDR-Klangkörper gleichermaßen erfolgreich managt.
Aber nun hat sie sich eben für einen weiteren Neuanfang entschieden. Und wie sieht sie die Zusammenarbeit mit Kirill Pretrenko? „Er ist jemand, der sich so intensiv mit Partituren, mit der Musik auseinandersetzt, wie kaum jemand sonst. Er hat eine unglaubliche Detailtiefe und -besessenheit. Und ich glaube gerade diese Konstellation mit den Berliner Philharmonikern, die so viel können, aber auch so viel wollen, kann ganz, ganz besonders werden.“ Da darf man Andrea Zietzschmann beim Wort nehmen. Schließlich wird sie mit am Bord sein.

Guido Fischer



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