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N° 1272
24. - 30.09.2022

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am 01.10.2022



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Macht dieser Vivaldi Schule? Rapper MoTrip entdeckt die "Jahreszeiten" (c) WDR/Claus Langer

Pasticcio

Yeah, Bro Vivaldi!

Dieser Platz reicht nicht aus, um all die Fassungen aufzuzählen, die mittlerweile von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ kursieren. Denn von Akkordeon über ein chinesisches Ensemble bis hin zu einer russischen „Tornado Classic“-Version für E-Gitarre ist alles dabei. An Vivaldis Violinkonzerten kann man gar nicht vorbei kommen. Auch nicht diejenigen, die von der klassischen Musik vollkommen unbeleckt sind. Dementsprechend musste man bei den angeschlossenen ARD-Anstalten wohl nicht lange überlegen, welcher Komponist bzw. welches Stück 2016 beim Musikvermittlungsprojekt „Ein ARD-Konzert macht Schule“ im Mittelpunkt stehen soll. Genau. Nach dem 2014 durchgeführten „Dvořàk-Experiment“ und dem letztjährigen „Gershwin-Experiment“ ist das „Vivaldi-Experiment“ bereits im vollen Gange. In einzelnen Bundesländern gehen die örtlichen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in die Schulen, um per Workshops und Blogs auf Vivaldi und auf die Klassik neugierig zu machen. Die Abschlussveranstaltung findet dann am 30. September statt. Dann nämlich wird im Fernsehen und als Live-Stream im Internet ein Konzert aus Köln übertragen, mit dem der WDR sein „Vivaldi-Experiment“ vorstellen will. Als „Crossover zwischen Klassik und Rap“ hat man die Zusammenarbeit zwischen dem WDR Funkhausorchester, der Geigerin Mariella Haubs und vor allem mit dem aus Aachen stammenden Erfolgsrapper MoTrip angepriesen.
Dahinter verbirgt sich ein denkbar einfaches Konzept. Für seinen Song „Auserwählt“ hat sich MoTrip aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ einfach ein paar Takte zu einer Dauerschleife sampeln lassen. Hinzu kommt ein bisschen Orchester- und Solo-Geigen-Gesäusel – fertig ist, laut WDR-Pressemeldung, der Vivaldi in der „Update-Version 2016“. Um aber das Zielpublikum mit ins Boot zu holen, hat man das „Vivaldi-Experiment“ interaktiv aufpeppt. Bis zum 8. August kann man sein eigenes Video einschicken, auf dem man den Refrain von „Auserwählt“ gesungen oder gerappt hat (www.schulkonzert.ard.de). Und vielleicht wird man damit Mitglied eines „Virtual Choir“, der am 30. September ebenfalls auf einer Leinwand zu sehen sein wird. Ob aber solch ein „Crossmediales Event“ (WDR-Pressemeldung) die Lust auf Vivaldi und die klassische Musik tatsächlich steigert? In den Redaktionen scheint man daran wirklich zu glauben…

Reinhard Lemelle



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