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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Weltenbürger unter Verschluss: Giuseppe Verdi (gemalt von Giovanni Boldini)

Pasticcio

So machen es nicht alle!

Wenn es ein Land gibt, wo die Oper ständig für Gesprächsstoff sorgt, dann doch wohl nur Italien. Aktuell geht es ausnahmsweise aber mal nicht um Mailänder Intendantenkräche oder Regie-Skandale. Zwei jüngste Nachrichten drehen sich vielmehr um das wertvolle, von Verdi und Puccini verkörperte Opernerbe. So hat das italienische Klassik-Magazin „Classic Voice“ eine Petition veröffentlicht, die von gleich 50 Promis aus Klassik, Theater, Film und Literatur unterschrieben wurde und an Italiens Staatschef Sergio Mattarella und den Kulturminister Dario Franceschini adressiert ist. Von Maurizio Pollini bis Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo, von Renata Scotto über Christian Thielemann bis Bernardo Bertolucci und von Daniel Barenboim bis Peter Stein fordert da ein Who´s Who die politisch Verantwortlichen auf, sich endlich für die Öffnung der privaten Archive von Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini stark zu machen. Viele tausende Manuskriptseiten sollen die Erben von Verdi und Puccini in der Villa Sant‘Agata bzw. in Torre del Lago nicht nur wie ihren Augapfel hüten, sondern eben auch vor Musikinteressierten abschotten. „Im Ausland sind die Archive der größten Künstler der Öffentlichkeit zugänglich, oft auch per Internet. In Italien leider nicht“, heißt es daher in der Petition. „Der Staat schützt zwar private Sammlungen von historischem und kulturellem Interesse, er sorgt jedoch nicht dafür, dass sie Privaten zugänglich gemacht werden.“ Bei dieser schwergewichtigen Unterschriftensammlung fehlt nur leider der Name von Roberto Benigni. Schließlich wäre gerade er dafür prädestiniert, den Erbengemeinschaften mit großem Trara mal richtig aufs Dach zu steigen.

Apropos Dach: Solch eine Schutzschicht gegen plötzliche Regengüsse, aber auch gegen winterliche Temperaturen soll tatsächlich das berühmte Amphitheater in Verona erhalten. Grund dafür ist der riesige Schuldenberg von rund 16 Millionen Euro, der auf der Arena lastet. Mit dem geplanten mobilen Überdachungssystem will man nun die in den Sommermonaten stattfindenden Opernfestspiele vor wetterbedingten Absagen und damit vor unerwarteten Finanzlücken bewahren. Zudem könnte man den Opernbetrieb auf das ganze Jahr ausdehnen und somit neue Einnahmequellen generieren. Über dieses Projekt wird natürlich in Verona inzwischen mächtig gestritten. Mal sehen, wann dazu die ersten Petitionen mit welchen Unterschriften die Runde machen.

Guido Fischer



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