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N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



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Jazz-DVDs

Hundert Jahre Strawinskis „Le sacre du printemps“, das war 2013. Mit „Radhe Radhe“ feierten die Indo-Amerikaner Vijay Iyer und Prashant Bhargava diesen Urknall der musikalischen Moderne. Ihr Frühlingsritual kulminiert allerdings – sonst der Struktur von Sacre folgend – in ekstatischer Verschmelzung von Göttlichem und Irdischen. Regisseur Bhargava filmte dafür das farbenprächtige Holi-Fest im nordindischen Mathura, und der Pianist Vijay Iyer komponierte zu dem ständig wogenden Ballet von Massen und Farben eine Musik für das International Contemporary Ensemble. Die live eingespielte Musik knüpft an die Klangsprache Strawinskis an, greift transformierend O-Tonelemente auf, verzichtet bewusst auf vordergründige Jazzmomente und entwickelt eine suggestive Kraft, die mit den Bildern in einen wirkmächtigen audiovisuellen Dialog tritt (ECM/Universal).

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Indisches bestimmte einst auch „A Love Supreme“ des messianischen Tenorsaxofongiganten John Coltrane. Jetzt, fünfzig Jahre später, veröffentlicht Okeh die CD/DVD-Einspielung „Branford Marsalis, Coltrane’s A Love Supreme“. Mit ihr verbeugte sich Wyntons Saxofonisten-Bruder vor dieser epochalen, persönlichen Musik 2003 live im Amsterdamer Bimhuis. Ein gewagtes Unterfangen, zwar verfolgt das Quartett mitreißend druckvoll die jeweilige Spur des großen Vorbilds, doch bleibt ein Gefühl von Authentizitätsdefizit – im Gegensatz zu den Bonus Interviews (u. a. mit Coltranes Witwe), die die Größe des Originals erhellen (Okeh/Sony).

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Stan Getz war in vielerlei Hinsicht der Antipode John Coltranes. „Stan Getz war in vielerlei Hinsicht der Antipode John Coltranes. „Live In Europe 1972“ dokumentiert auf einer CD/ DVD seinen Auftritt in Montreux mit dem Trommlergenie Tony Williams, mit Chick Corea am E-Piano und Stanley Clarke am Kontrabass, alle etwa zwanzig Jahre jünger als der Leader. Der hat seine Freude an dieser sensibel tänzelnden Rhythmusgruppe voller Energie und bietet der Jugend mit lyrischem Ton lachend Paroli (Salvo/Soulfood).“ dokumentiert auf einer CD/ DVD seinen Auftritt in Montreux mit dem Trommlergenie Tony Williams, mit Chick Corea am E-Piano und Stanley Clarke am Kontrabass, alle etwa zwanzig Jahre jünger als der Leader. Der hat seine Freude an dieser sensibel tänzelnden Rhythmusgruppe voller Energie und bietet der Jugend mit lyrischem Ton lachend Paroli (Salvo/Soulfood).

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Ron Carter, als Bassist einst enger Partner von Williams, war im vergangenen Jahr als Elder Jazzman in Köln und hat mit der WDR Big Band „My Personal Songbook“ eingespielt. Die verhalten modernen Arrangements von Rich DeRosa unterstreichen auf der CD/DVD Limited Deluxe Edition die kompositorische Originalität des Gastes, der das spannende Programm mit gewitzt gelassenen Kontrabasslinien veredelt (In+Out Records/In- Akustik).

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Afro-Jazzchanson scheint mit Cécile McLorin Salvant derzeit angesagt. Cécile Verny, die afrikanische franko-deutsche Diseuse, pflegt dieses Genre mit ihrem Quartett bereits seit 25 Jahren. Das wurde mit einem mitreißenden Heimspiel im Freiburger Jazzhaus gefeiert und gefilmt. „Memory Lane“ heißt die DVD und bietet eine Bandbreite von Blues über Jazz-Chanson bis Gospel und Soul (Jazzhaus Records/In-Akustik).

Auch der afro-kubanische Pianist Ramón Valle betritt schon seit Jahrzehnten die Bühne. Mit dem Kontrabassisten Omar Rodriguez Calvo und Schlagzeuger Ernesto Simpson, beide Jugendfreunde aus Kuba, hat er vor Publikum mit „Take Off“ein feinsinniges modernes Mainstream-Album als CD/ DVD Limited Deluxe Edition aufgenommen. Jugendlicher Charme und sonnendurchflutete Spielfreude bestimmen die Musik, nichts dabei ist vordergründig karibisch (In+Out Records/In-Akustik).

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Thomas Fitterling, 23.05.2015, RONDO Ausgabe 3 / 2015



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