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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Hörvergnügen aus 1001 Nacht: Hasses "Siroé, re di Persia"

Versailles (FR), Opéra Royal

Der längst auch als Agenturmitbesitzer unternehmerisch tätige Countertenor Max Emanuel Cencic hat mit bewährten Kräften aus seinem prosperierenden Vokalstall mit der 1763 in Dresden gegebenen Zweitfassung von Johann Adolf Hasses „Siroé“ eine vergessene Barockopernperle samt lohnender, einst von Farinelli kreierter Titelrolle für sich selbst glanzpoliert. Als Sänger, Produzent und erstmals auch Regisseur.
Nach der Juni-Premiere in Athen, wo auch die CD mit dem Alte-Musik-Ensemble Armonia Atenea aufgenommen wurde, war nun die auf solche Koproduktionen angewiesene königliche Oper im Schloss von Versailles die nächste, stimmungsvolle Tourneestation. George Petrou dirigierte mit unaufdringlicher Finesse und theatralischer Variabilität. Was in der taubengrau-goldenen, klassizistischen Vollholzschmuckschatulle des Architekten Ange-Jacques Gabriel das reine Hörvergnügen ist.
Ein Hörvergnügen, das Cencics ruhige Regie als geschmackvoll stilisiertes Märchen aus 1001 Nacht ästhetisch reizvoll erweitert und bricht. So wie auch die Oper über einen starrsinnigen Herrscher, der – unterfüttert von einer Liebesintrige – seine Macht zwischen zwei Söhnen nicht wirklich hergeben will, sich als orientalische Kunstfantasie aus europäischer Perspektive präsentiert.
Zwischen durchbrochenen, fahrenden Holzwänden lässt Ausstatter Bruno de Lavèrne vor allem Filmprojektionen raffiniert wirksam werden. Da blühen Blumen farbensatt, jagen Muster und Wolken schrill über die Rückwand, gibt es nostalgische Küsse in Großaufnahme, haben aber auch lodernde Flammen, sattes Rot und Schatten atmosphärische Kraft.
Cencic, der seine dramatische, kantige Stimme sicher führt, kann in einer aus einer anderen Hasse-Oper eingeschobenen Kerkerszene seine finale Befreiung hemdfrei feiern. Die immer noch erst 24-jährige russische Mezzosopranistin Julia Lezhneva darf zudem ihre stupende Virtuosität in einer vor dem Ende interpolierten Graun-Arie koloraturenreich jubilieren lassen. Möge nun auch einigen anderen der mehr als 70 Hasse-Opern eine solche Wiederbelebung- de-luxe zu Teil werden.

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 1 / 2015



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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