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Print Media Lounge 2014 (c) Heidelberger Frühling

Heidelberger Frühling

Freier atmen

„Freiheit wagen“ – nicht nur in der Musik, sondern auch bei der Heidelberg Music Conference. Vorbildlich!

Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit“: Hoppsa, wir steigen aber heute hoch ein! Mag sein, nur: Eine bessere Beschreibung musikalischer Interpretationen als diese Devise Hegels gibt es eigentlich überhaupt nicht. Der Pianist Piotr Anderszewski, der beim Heidelberger Frühling in diesem Jahr auftritt, pflegte in seiner Jugend als Noten-Umblätterer für den großen Svjatoslav Richter zu fungieren. Dieser fühlte sich im Angesicht der Noten freier als ohne sie.
Es ist kein Wunder, dass man an einer der Wirkungsstätten des oben zitierten Philosophen Hegel, nämlich in Heidelberg (von wo er nach Berlin ging), nicht nur Musik machen will. Sondern auch über Musik nachdenken. So lotet die Heidelberg Music Conference am 16. und 17. April die Bedeutung des Festivalmottos für das Musik-Business aus. Der Traum auf Freiheit durch und im Internet hat sich nicht erst durch die jüngsten Enthüllungen in einen Alptraum aus Überwachung und Kontrolle verkehrt. Und auch Musiker müssen damit leben, dass ihr Beruf der größtmöglichen Individualisierung in der Mechanik und dem Überangebot des (Netz-) Marktes zermahlen wird. Die Musikbranche reagiert auf die Forderung nach „Freiheit“ derzeit also eher gereizt. Und das Copyright als Grundlage der Entlohnung künstlerischer Leistungen wird nicht nur illegal umgangen. Im boomenden Musikstreaming speist man Künstler noch ganz legal mit Kleinstbeträgen für Musiknutzung ab, während CD-Verkäufe ins Bodenlose fallen. Über Strategien, um künstlerische Freiheit und Marktanpassung zu vereinen, über neue Konzepte für die Nutzbarmachung dieser Freiheit diskutieren unter anderem Robert Zimmermann (Geschäftsführer BPhil Media/Digital Concert Hall), Juditha Haeberlin (Konzertmeisterin des Ensemble Resonanz), Amadeus Templeton (Gründer und Geschäftsführer TONALi Grand Prix) und Georges Delnon (des. Intendant Staatsoper Hamburg).
Es wird aber auch philosophiert. Beim Symposium & Konzert unter dem Titel „Dialektik der Freiheit“ wird das Motto ins Politische fortgesponnen, wie der Untertitel verrät: „Von der Selbstbestimmung zur Überwachung des Menschen“. Mit Dieter Borchmeyer, dem Staatsrechtler Paul Kirchhof und dem Romanisten Gerhard Poppenberg ist das professoral besetzt, wie es prominenter kaum geht. Kompliment!
Wie es eigentlich schmeckt, völlige Freiheit walten zu lassen, das kann man direkt im Anschluss bei einer Klavierbearbeitung von Schumanns „Faust-Szenen“ praktisch nachvollziehen (mit Bariton Michael Nagy und Sopranistin Ruth Ziesak, am Klavier sitzt Gerold Huber). Der Freiheit, die Faust genießt, sind nämlich die Fesseln des bekannten Faust-Paktes angelegt. Kaum hat er zum Augenblick gesagt: „Verweile doch, du bist so schön“, ist die Sache auch schon aus und vorbei. In Heidelberg hat man jedenfalls keine Angst, diesem Augenblick des Schönen auch mit Inhalten zu begegnen. So sollte es eigentlich überall sein.

Heidelberger Frühling

Dialektik der Freiheit“
22.3., Stadthalle Heidelberg
11 Uhr Symposium (Borchmeyer, Poppenberg, Kirchhof)
16 Uhr Konzert – Schumann: Szenen aus Goethes „Faust“ (Ziesak, Nagy, Nazmi, Huber, Borchmeyer)

Heidelberg Music Conference
16./17.4., Stadthalle Heidelberg

www.heidelberger-fruehling.de

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 1 / 2015



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