home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Startseite · Klang · Testgelände

Fritz Wunderlich privat

Als wär´s zum letzten Mal

Kennen Sie Brahms’ „Mainacht“ gesungen von Fritz Wunderlich? Oder Wolfs „Storchenbotschaft“? Aber die hat er doch gar nicht eingespielt? Irrtum, er hat! Daheim, mit seinem eigenen Tonbandgerät.

Seit einigen Jahren hat die Familie die Auswertung der Hinterlassenschaften des 1966 verstorbenen Vaters selbst aktiv in die Hand genommen, und was sie hier ausgegraben haben, ist vielleicht die bisher größte Sensation: In den Jahren 1962 bis 1966 entstanden diese privaten Tondokumente, die der technikbegeisterte Tenor im eigenen Haus aufzeichnete. Das Faszinierende: Auch diese Momentaufnahmen aus der heimischen Sphäre – bei den ungeschnittenen Bonustracks am Ende der CD hört man auch mal eines der Kinder nach dem Vater rufen – atmen vom ersten bis zum letzten Augenblick jenen unverwechselbaren Geist des Besonderen, ja immer wieder auch des schlichtweg Vollkommenen, der die meisten von Wunderlichs professionellen Produktionen prägt. Strauss’ „Ständchen“, „Cäcilie“ oder „Ich trage meine Minne“ würde man in dieser Interpretation wohl ohne lange zu überlegen gern gegen die meisten anderen Einspielungen eintauschen, denn Wunderlich ist auf der Basis seiner gewohnten gesangstechnischen Vollkommenheit jederzeit mit einer schier unfasslichen Konzentration und Ernsthaftigkeit bei der Sache: Keine Phrase entbehrt der individuellen Ausgestaltung, kein Wort fällt unbeachtet unter den Tisch, kein Ton erklingt einfach so um seiner selbst Willen. Da stört es weniger, dass gelegentlich im Klavierpart in Ausnahmefällen auch mal bei Wunderlich der letzte technische Finish fehlt, und man sieht darüber hinweg, dass Wunderlich aus Freude an den Möglichkeiten seines Tonbandgerätes hier und da ein wenig zu sehr am Hallknopf gedreht hat. Nein, man wähnt das Vermittlungsgenie Fritz Wunderlich neben sich im selben Raum.

Neu erschienen:

Wunderlich privat

DG/Universal

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Michael Wersin, RONDO Ausgabe 3 / 2006



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Felix Reuter:

Ragtime für Elise

Ob als Jazzer oder als Latin-Lover – beim Pianisten und Musikkabarettisten wird Beethovens Musik […]
zum Artikel

Pasticcio

Fair-Trade & Öko

Im sächsischen Vogtland und speziell im schönen Städtchen Markneukirchen wird seit vielen […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top