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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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(c) Hermann und Clärchen Baus

Der Duft der alten Dame: Puccinis "Tosca"

Berlin, Staatsoper im Schillertheater

Ob auch diese „Tosca“ 38 Jahre lang im Repertoire bleiben wird wie die Vorgängerproduktion an der Berliner Staatsoper? Regisseur Alvis Hermanis erklärte im Interview vorab, diese Annahme käme einem „Alptraum“ gleich. Und hat dennoch alles dafür getan, dass seine Inszenierung fast genau so aussieht wie die alte, abgesetzte von Carl Riha. Über konventionellen Dekorationen prangt hier indes eine Kinoleinwand, auf welcher – die Handlung verdoppelnd – Hunderte von Zeichnungen und Skizzen ablaufen, welche die Bühnenbildnerin Kristine Jurjane bei ihren Recherchen in Rom (Schauplatz der Oper) angefertigt hat. Diese halten stilistisch ungefähr die Mitte zwischen Goethes italienischen Aquarellen und Illustrationen aus dem „Wachturm“. Die Idee, dass Tosca ein Comic ist, kommunizieren sie nur sehr unzureichend.
Es ist, erstaunlich genug, Daniel Barenboims erster Puccini überhaupt. Unter seinen Händen wirkt das Werk vertrackter und bar aller Geradlinigkeit, da er den Klang wagnerianisch dynamisiert und aufraut. Im Verlauf des 3. Aktes scheinen sich geradezu einige Schönberg-Stimmen in die Partitur verirrt zu haben. Dafür werden weite Teile des 2. Aktes viel zu heiß und fettig serviert. Es wird zu laut, als wär’s bloßer Trash. Und zu billig, wie das gleichnamige Damenparfüm. Anja Kampe – sonst Senta, Sieglinde und Kundry – muss man es lassen, dass sie die Titelheldin durchaus nicht so singt, als sei’s eine Wagner-Haubitze beim Landgang durch die Campagna. Ganz im Gegenteil: Ich habe sie selten jugendlicher und frischer gehört als hier. Nur muss sie – im Verein mit Michael Volle als Schreibtischtäter Scarpia – dermaßen am Daueranschlag singen, dass eine Einseitigkeit, eine deutsche Schlagseite der Aufführung offenbar wird (auch in der Aussprache). Eigentlich hält nur Fabio Sartori (Cavaradossi) die italienische Fahne erstaunlich gut hoch. Ein Reinfall also, der ein Berliner Überangebot an guten „Toscas“ widerspiegelt. Ich erinnere mich an dutzende Repertoire-„Toscas“ an der benachbarten Deutschen Oper, die dieser Premiere in fast jeder Position überlegen waren.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2014



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