home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Konzert · Hausbesuch

Mozart-Festivals in Franken

Bei Mozarts daheim

Es muss nicht immer Salzburg sein, auch wenn die Geburtsstadt Wolfgang Amadeus Mozarts, hingeduckt unter dem Festungsberg, ein besonderes Flair verströmt, wenn die Edellimousinen vor dem Festspielhaus im Schritttempo vorfahren, um Stars und Adabeis auf den roten Teppich zu spucken. Aber auch in Franken, woher die Mozarts vor Wolfgang eigentlich stammten, locken mehrere Festivals ihr Publikum mit ganz unterschiedlicher Façon und dem gleichen, flammenden Bekenntnis: zum Klassiker par excellence.

Das Würzburger Mozartfest kann mit stimmungsvollen Spielstätten in der Residenz prunken, darunter dem prachtvollen Kaisersaal. Vom 1. Juni bis 1. Juli stehen Konzerte in der heute selbstverständlichen historischen Spielpraxis der Mozartzeit mit Europa Galante, der Accademia Bizantina und NeoBarock der sprühenden Rampen-Queen Simone Kermes, Sinfonischem, einer Jazznacht, Blues und Klavierkabarett gegenüber. Der Gluck-Orfeo im Mainfranken-Theater ergänzt klug den Monteverdi-Orfeo unter Thomas Hengelbrock, Fazıl Say tritt als Liedkomponist neben das Arien-Genie und einen Abend lang regieren »Mozarts Claviere« bei einem Marathon-Konzert mit Olga Scheps und Andreas Staier.
Die Bamberger Symphoniker gastieren mit David Fray unter der Leitung von Sebastian Tewinkel in einem klassisch-neoklassischen Konzert aus Strawinsky, Haydn und Mozart, bevor sie sich ihrem eigenen Festival widmen: Denn direkt im Anschluss, vom 6.-21. Juli laden sie zu ihrer eigenen Biennale Bamberg. Zu ihrem Ansporn, die wunderschöne, kulissengleich erhaltene Barockstadt als riesige Spielfläche zu nutzen und musikalisch zu beleuchten, haben sie sich hochkarätige Gäste eingeladen. Die bisher zweite Biennale steht unter dem Motto »Die Seele ist ein weites Land« ebenfalls ganz im Zeichen Mozarts.
Das frische Frühwerk »La finta giardiniera« liegt in den Händen von Ainārs Rubiķis, des noch jungen Preisträgers des Bamberger Mahler-Dirigentenwettbewerbs 2010, goldrichtig. Die konzertante, auf zwei Abende verteilte Aufführung wird durch eine Handlung gerahmt, die Wolfgang Schlüter speziell für das Festival verfasste. Dem Spätwerk »Così fan tutte«, hier in seiner Kritik an der Belehrungswut der Aufklärung als zynisches Experiment am offenen Herzen verstanden, nimmt sich Chefdirigent Jonathan Nott an. Er führt die Symphoniker und die delikate Sängerriege von Maria Bengtsson, Maite Beaumont, Christina Landshamer, Shawn Mathey, Christopher Maltman und nicht zuletzt Sir Thomas Allen durch das Labyrinth der erhofften Täuschungen und enttäuschten Hoffnungen.
Ein reines Mozart-Rezital plant der Pianist Evgeni Koroliov und stellt die ebenso liedhaft zarten wie in Wahrheit vertrackt anspruchsvollen Sonaten ins Zentrum. Zu den vielen Kammermusikkonzerten von Symphoniker-Ensembles verschiedenster Besetzung, die zwei Wochen lang die Winkel der Stadt bereichern, gesellen sich auch Aufführungen der Streichquintette durch das Kuss Quartett – die übrigens auch eine öffentliche Meisterklasse geben. Das lupenreine Vokalensemble Singer Pur beehrt in einer Hommage der Symphoniker »Wolfgang hoch zwei«, nämlich Mozart und den Jubilar Rihm! Wer es ganz genau wissen will, wird spätestens beim Symposium zu »Mozart und seiner Zeit« wunschlos glücklich.

Carsten Hinrichs, RONDO Ausgabe 2 / 2012



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Sheku Kanneh-Mason

Der Sheku-Effekt

Mit der zweiten CD schon als Cello-Marke etabliert: Nun stellt sich der aufstrebende britische […]
zum Artikel

Musikstadt

Callas gegen Ghiringhelli, Buhrufe für Freni

Mailand

„Modeshopping, ein Cappuccino und ein Besuch in der Scala“, so warb bis vor kurzem eine Airline […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top