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28.01. - 03.02.2023

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Mozart-Festivals in Franken

Bei Mozarts daheim

Es muss nicht immer Salzburg sein, auch wenn die Geburtsstadt Wolfgang Amadeus Mozarts, hingeduckt unter dem Festungsberg, ein besonderes Flair verströmt, wenn die Edellimousinen vor dem Festspielhaus im Schritttempo vorfahren, um Stars und Adabeis auf den roten Teppich zu spucken. Aber auch in Franken, woher die Mozarts vor Wolfgang eigentlich stammten, locken mehrere Festivals ihr Publikum mit ganz unterschiedlicher Façon und dem gleichen, flammenden Bekenntnis: zum Klassiker par excellence.

Das Würzburger Mozartfest kann mit stimmungsvollen Spielstätten in der Residenz prunken, darunter dem prachtvollen Kaisersaal. Vom 1. Juni bis 1. Juli stehen Konzerte in der heute selbstverständlichen historischen Spielpraxis der Mozartzeit mit Europa Galante, der Accademia Bizantina und NeoBarock der sprühenden Rampen-Queen Simone Kermes, Sinfonischem, einer Jazznacht, Blues und Klavierkabarett gegenüber. Der Gluck-Orfeo im Mainfranken-Theater ergänzt klug den Monteverdi-Orfeo unter Thomas Hengelbrock, Fazıl Say tritt als Liedkomponist neben das Arien-Genie und einen Abend lang regieren »Mozarts Claviere« bei einem Marathon-Konzert mit Olga Scheps und Andreas Staier.
Die Bamberger Symphoniker gastieren mit David Fray unter der Leitung von Sebastian Tewinkel in einem klassisch-neoklassischen Konzert aus Strawinsky, Haydn und Mozart, bevor sie sich ihrem eigenen Festival widmen: Denn direkt im Anschluss, vom 6.-21. Juli laden sie zu ihrer eigenen Biennale Bamberg. Zu ihrem Ansporn, die wunderschöne, kulissengleich erhaltene Barockstadt als riesige Spielfläche zu nutzen und musikalisch zu beleuchten, haben sie sich hochkarätige Gäste eingeladen. Die bisher zweite Biennale steht unter dem Motto »Die Seele ist ein weites Land« ebenfalls ganz im Zeichen Mozarts.
Das frische Frühwerk »La finta giardiniera« liegt in den Händen von Ainārs Rubiķis, des noch jungen Preisträgers des Bamberger Mahler-Dirigentenwettbewerbs 2010, goldrichtig. Die konzertante, auf zwei Abende verteilte Aufführung wird durch eine Handlung gerahmt, die Wolfgang Schlüter speziell für das Festival verfasste. Dem Spätwerk »Così fan tutte«, hier in seiner Kritik an der Belehrungswut der Aufklärung als zynisches Experiment am offenen Herzen verstanden, nimmt sich Chefdirigent Jonathan Nott an. Er führt die Symphoniker und die delikate Sängerriege von Maria Bengtsson, Maite Beaumont, Christina Landshamer, Shawn Mathey, Christopher Maltman und nicht zuletzt Sir Thomas Allen durch das Labyrinth der erhofften Täuschungen und enttäuschten Hoffnungen.
Ein reines Mozart-Rezital plant der Pianist Evgeni Koroliov und stellt die ebenso liedhaft zarten wie in Wahrheit vertrackt anspruchsvollen Sonaten ins Zentrum. Zu den vielen Kammermusikkonzerten von Symphoniker-Ensembles verschiedenster Besetzung, die zwei Wochen lang die Winkel der Stadt bereichern, gesellen sich auch Aufführungen der Streichquintette durch das Kuss Quartett – die übrigens auch eine öffentliche Meisterklasse geben. Das lupenreine Vokalensemble Singer Pur beehrt in einer Hommage der Symphoniker »Wolfgang hoch zwei«, nämlich Mozart und den Jubilar Rihm! Wer es ganz genau wissen will, wird spätestens beim Symposium zu »Mozart und seiner Zeit« wunschlos glücklich.

Carsten Hinrichs, 30.11.1999, RONDO Ausgabe 2 / 2012



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