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Martin Grubinger

Schlagende Argumente

Mit wieselflinken Händen und einem scharfen Auge für alle rhythmischen Klippen ist der 24-jährige Perkussionist Martin Grubinger in die Phalanx der klassischen Instrumentalsolisten vorgestoßen.

Am 17. November 2006 wurde der altehrwürdige Musikverein in Wien bis auf seine Fundamente hin abgeklopft. Nicht aber etwa vom österreichischen TÜV. Vier Stunden lang trommelte da Martin Grubinger nonstop, was die Pauken- und Trommelfelle, die Holzblöcke, Becken und Gongs hergaben. Mal solistisch, aber auch mit Orchesterunterstützung ließ Grubinger seiner kinetischen Schlagkraft raffinierten Lauf. Wie bei der Uraufführung des Schlagzeugkonzertes »Das war schön« des Norwegers Rolf Wallin. »Percussion Showdown« lautete damals zu Recht ein Abend, an dem Grubinger an rund 200 Instrumenten verblüffte und nebenbei seinem Ruf als aberwitziger Rhythmusjongleur und konditionsstarker Marathonmann alle Ehre machte. Solche Mammutkonzerte spielt man natürlich nicht jeden Tag. Dagegen spricht nicht nur der enorme organisatorische Aufwand: Zwei ganze LKWs mussten mit dem nötigen Instrumentenpark vollgepackt werden. »Ich hatte meiner Freundin und meiner Familie versprochen, dass ich den Musikverein-Marathon nicht wiederholen werde, da solch ein Projekt einfach unglaublich anstrengend und herausfordernd ist. Man befindet sich über Monate im Ausnahmezustand. Und am Tag X muss man einfach einen hervorragenden Tag haben.«
Doch wenngleich Martin Grubinger selbst bei seinen jährlich 80 Konzerten bis an die physischen Grenzen geht, achtet er darauf, dass die eigenen Batterien optimal aufgeladen sind: »Eine gute körperliche Verfassung ist Voraussetzung, um als Schlagzeuger ein Solorezital ohne Qualitätsverlust aufgrund von Ermüdungserscheinungen zu bewältigen.« Wenig erstaunlich ist es somit, dass Grubinger nichts dem Zufall überlässt. Weder körperlich noch künstlerisch. Während er mit einem Sportmediziner zusammenarbeitet, der den Trainingsplan aufstellt und die Blutwerte misst, tüftelt Grubinger im schallisolierten Übungsraum des Elternhauses akribisch an den komplexesten Metren und neuesten Partituren. Bis er das Schlagzeugkonzert von Avner Dorman verinnerlicht haben wird, an dem er aktuell arbeitet, geht es nur Schritt für Schritt voran – mit etwa 40 Takten pro Woche. Diese Ernsthaftigkeit hat sich längst ausgezahlt. »Natürlich gibt es immer noch einige, die der Meinung sind, dass wir Schlagzeuger als Solisten auf den Konzertpodien nichts verloren haben. Diese Gruppe ist aber eine klare Minderheit und wird immer kleiner. Denn immerhin kann das Schlagzeug eine unglaubliche Vielfalt bieten, denn seine musikalischen Wurzeln liegen in allen fünf Kontinenten.«
Was aber sein ehemals gegebenes Versprechen angeht, nie mehr einen Wiener Marathon auf die Beine zu stellen, musste er sich jetzt doch wieder korrigieren: »Ich habe mich zu einer Wiederholung dieses Projekts hinreißen lassen. Und zwar beim Schleswig Holstein Musikfestival 2008. Sich vier Stunden auf dem Konzertpodium am Limit des Machbaren zu bewegen, ist schließlich viel aufregender als jeder Bungee-Jump oder Fallschirmsprung.« Guido

Neu erschienen:

Rolf Wallin

ACT

Martin Grubinger, Oslo Philharmonic Orchestra, John Axelrod u.a.

Ondine/Naxos

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Guido Fischer, 28.06.2014, RONDO Ausgabe 6 / 2007



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