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Hidden Beauty

Triosence

OKeh/Sony 88985409982
(55 Min., 8/2016)

Es sei gar nicht so schwer, komplizierte Musik zu schreiben, die sich kompliziert anhöre, bemerkt Pianist Bernhard Schüler im Booklet der siebten CD seines Trios Triosence. Die höchste Kunst sei es allerdings, das Komplexe einfach klingen zu lassen. In dieser Hinsicht liefert der Dreierbund, bei dem sich der Tingvall-Bassist Omar Rodriguez Calvo auf „Hidden Beauty“ mit dem langjährigen Triosence-Mitstreiter Matthias Akeo Nowak den Tieftöner-Posten teilt, wieder eine Reihe guter Beispiele.
Der Opener „As It Was Yesterday“ etwa versteckt seine rhythmisch asymmetrische Struktur geschickt hinter wohlklingenden Melodien, die Americana-Einflüsse durchscheinen lassen. „Hit By Life“ wiederum erweist sich als Ohrwurm mit lässigen Rim-Clicks vom Schlagzeug und nonverbalem Hit-Potenzial, während im Album-Titelstück „Hidden Beauty“ eine simple Melodie wie ein Globetrotter vor die unterschiedlichsten stilistischen Panorama-Hintergründe für Schnappschüsse gestellt wird – mal in den Latin-Kontext eines Michel Camilo, mal vor eine Westcoast-Skyline, mal als Gast bei einer Boogie- oder Indierock-Session.
Diese Weltgewandtheit ist ohnehin das Erkennungsmerkmal von Triosence. Anders als viele Mitbewerber verharrt das Piano-Trio nicht bloß im Feld zwischen Esbjörn Svensson und poppiger Kammermusik, sondern verarbeitet die mannigfaltigen Reiseerfahrungen der Musiker. So hat beispielsweise das 2016 erfolgte Brasilien-Debüt des deutsch-kubanischen Trios deutliche Spuren hinterlassen, die sich am klarsten in der Bossa-Nummer „Thaisinha“ zeigen, aber auch immer wieder in denen nach Samba-Variationen klingenden Begleitungen des Drummers Stephan Emig durchscheinen.
Und selbst ein für die europäischen Piano-Trios so exotisch gewordener Ort wie die USA findet auf „Hidden Beauty“ seine liebevolle Beachtung: Mit „Day At Scarlett's“ und „Leave Me Here“ bekennt sich Pianist Schüler ohne ironische Brechung zur reinen Lehre der Swing-Tradition längst vergessener Zeiten und zu Bill Evans. So viel Nostalgie ist in ihrer bewusst formelhaften Gestrigkeit fast schon wieder mutig – aber das Schöne liegt nun mal nicht nur in der modernen Jazzphilosophie der vergangenen zwanzig Jahre versteckt.

Josef Engels, 20.05.2017



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