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Béla Bartók

Sechs Streichquartette

The Heath Quartet

harmonia mundi HMM 907661.62
(156 Min., 5/2016) 2 CDs

Die sechs, zwischen 1908 und 1939 komponierten Streichquartette von Béla Bartók sind nichts für ungeübte Interpreten-Finger und schwache Hörer-Nerven. Schließlich begegnet man eigentlich direkt ab dem ersten Satz des 1. Quartetts extremen Ausdrucks- und Empfindungswelten, für die alles an spieltechnischem Können aufgeboten werden muss. Das englische Heath Quartet ist jedoch so ein Ensemble, das seine Instrumente nicht allein bis ins wirkungsvollste Glissando oder Pizzicato packend und mitreißend beherrscht. Man hat stets den Eindruck, dass die vier Musiker in ihrem Spiel ständig versuchen, die Grenzen des Machbaren doch nur um ein paar Zentimeter weiter zu verschieben, um noch hinter die allerletzten Geheimnisse dieser Werke zu kommen. Wenig erstaunlich ist daher, dass es dabei stets zu überaus aufreibenden Momenten kommt, bei denen es einem eiskalt und siedendheiß zugleich wird. Gleich dieser verschattete, brutal lamentohafte Einstieg, mit dem Bartók das Tor zu seinem Quartett-Schaffen langsam öffnen lässt, kostet das Heath Quartet bis in die feinsten Fibrillen dieses vom lyrischen Expressionismus durchsetzten Tongewebes aus. Trotz volksmusikalischer Elemente ist das 2. Quartett hingegen vollends auf Attacke gebürstet. Über eine riesige Palette klangfarblicher Nuancen versetzen die Musiker auch Teile des 3. Quartetts mal in einen wilden Taumel, mal in einen einzigen Schockzustand. Und beim 4. Quartett überbietet man sich an Kontrasten, die von dämonisch dahinhuschend bis motorisch turbulent reichen. Über das auch gespenstisch Fünfte schließt sich sodann der Kreis – wenn das Heath Quartet jenen beklemmend düsteren Ton von Bartóks Debüt-Quartett in Erinnerung ruft und ihm nun das Letzte an Hoffnungslosigkeit herauspresst. Danach ist man selbst als Hörer ziemlich erschöpft – aber überwältigt von diesem Bartók-Statement.

Guido Fischer, 13.05.2017



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