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Robert Schumann

Einsamkeit (Lieder)

Matthias Goerne, Markus Hinterhäuser

harmonia mundi HMM 902243
(51 Min., 3/2015)

Das fleißigste Baritonbienchen ist gegenwärtig sicherlich Matthias Goerne. Der spuckt beinahe im Vierteljahresabstand CD um CD aus. Und eigentlich können sich alle hören lassen. Der inzwischen in Berlin lebende Sachse ist zudem ein fast schon promisker Pianistennutzer. Was freilich zu keinerlei Verschleißerscheinungen zu führen scheint. Neugierig ist Goerne nämlich auch, und anpassungsfähig, wenn die Chemie mit dem Partner stimmt. Was im Fall Markus Hinterhäuser offenbar zutrifft. Salzburgs immer noch als Teilzeitpianist seine Fähigkeiten geschmeidig haltender Festspielchef und der Starbariton haben inzwischen nicht nur in Sachen „Winterreise“ in der eben auch auf DVD erschienenen szenischen Version von William Kentridge den Klassikglobus erobert, sondern sind sich auch schon bei diversen anderen Liedprogrammen nahgekommen. Aufgezeichnet wurde jetzt ein reines Schumann-Programm. Das heißt „Einsamkeit“ und konzentriert sich, ohne monochromatisch zu werden, wirklich auf Gefühle des Verlassenseins, der Isolation und Enttäuschung – in romantisch fahlem Licht und bisweilen Todesbetrübtheit. Eklektizistisch bahnt sich Goerne thematisch seinen Weg durch diverse Zyklen und Schaffensphasen, kein Werk ist komplett eingespielt. Am stärksten gelingen trotzdem am Anfang und Ende die fast intakten Stücke der opp. 89 und 90 auf Texte von Nikolaus Lenau und Wilfried von der Neun. Spröde, späte Werke mit nur noch wenig Legato-Honigseim. In diesen Momenten läuft auch Goernes hörbar reife Stimme wunderbar weich. Exemplarisch ist wie stets seine Textdeutung, traumverloren zart und wehmutsvoll zerbrechlich kann er sein Singen fast reglerlos zurückfahren. Im etwas verhallten Klangbild bleibt Hinterhäuser angenehm zurückhaltend – das ist durchaus als Kompliment gemeint.

Matthias Siehler, 18.03.2017



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