Responsive image
Joseph Haydn, Tōru Takemitsu, Béla Bartók, Arvo Pärt

Streichquartett B-Dur Hob.III:78 „Sonnenquartett“, Landscape I für Streichquartett, Streichquartett Nr. 2, Sz. 67, Fratres

Schumann Quartett

Berlin Classics/Edel 0300836BC
(66 Min., 6 & 7/2016)

Haydn - Takemitsu - Bartók - Pärt: Ist es ein wahllos zusammengewürfelter Mix, mit dem sich das Schumann Quartett in diesem Album an die Öffentlichkeit wagt? Mitnichten, sagen die Musiker. Denn hinter der Auswahl von Stücken, die ihnen besonders am Herzen lagen, erkannten sie starke innere Verbindungen – und hatten darum auch den Mut, die Werke in ihrer Verschiedenartigkeit gemeinsam in einem Konzeptalbum einzuspielen. Was diese Verbindungen ausmacht? Nun, zum einen entspringt die geheimnisvolle Magie aus der Zusammensetzung des Quartetts – musizieren hier doch drei Brüder harmonisch mit der Bratscherin Liisa Randalu zusammen, welche die verbindende Mittellage einnimmt und zugleich eine Brücke aus dem familiären Kosmos in andere Welten schlägt. Eine gleichbleibende, suchende Intensität hebt den Zuhörer über die Brüche hinweg, die sich zwischen Haydns Sonnenquartett, Takemitsus „Landscapes“, Bartóks 2. Streichquartett und den mit dem Komponisten Pärt erarbeiteten „Fratres“ auftun. Ob in der in zarter Sehnsucht über der dunklen Tiefe aufsteigenden Violine am Anfang von Haydns Quartett, ob in den bisweilen trotz dissonanter Herbheiten an eine japanische Mundorgel erinnernden Klängen von Takemitsus „Landscapes“ oder in Bartóks folkloristisch-dissonanter Expressivität und erst recht in Pärts sinnenden Fratres: Stets wirkt das Erkunden von Kontrasten, intensiven Stimmungen und konflikthaften Situationen von einer tiefen inneren Übereinkunft getragen. Auch wenn sich die Musiker allenfalls Haydns hintergründigem Humor noch deutlicher stellen könnten, geht das intuitiv-zufällig gefundene Konzept auf schönste Weise auf.

Carsten Niemann, 11.03.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Souvenir d’Italie: Wer bei russischer Kammermusik harmonisches Räucherwerk und schweren Samt erwartet und sich vorbereitend den Hemdkragen öffnen will, wird überrascht sein. Michail Glinka, der „Vater der russischen Musik“, war ein reisefreudiger Mann. Nachdem er seine stilbildende Oper „Ein Leben für den Zaren“ in St. Petersburg abgeliefert hatte, und weil es dort politisch so ungemütlich für Freigeister wie ihn wurde, begab er sich 1830 nach Italien und tauchte tief in die […] mehr »


Top