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Pure

Le Bang Bang

GLM/Soulfood EC573
(59 Min., 5 - 7/2016)

Purismus kann durchaus vergnüglich sein. Diese Musik verlässt sich auf die weibliche Singstimme und auf die Klänge eines Kontrabasses und sonst nichts. Sinnbildlich dafür stehen die beiden Musiker in natürlicher Nacktheit auf dem Cover, die Scham elegant hinter einem Schriftzug verschattet. Das Programm: 16 Songminiaturen, davon 13 aus dem Great American Songbook und drei Originals. Die Eröffnungsnummer, „The Old Country“, schickt den Hörer auf eine Zeitreise ins Jahr 1961 zu den legendären Aufnahmen von Nancy Wilson mit dem Cannonball Adderley Quintet. In der Tat hat die Vokalstilistik von Stefanie Boltz viel gemein mit der metallischen Stimmführung der afroamerikanischen Diva und ihrer spezifischen Art der dynamisch kontrastierenden Emphase. Auch die Norwegerin Karin Krog kommt einem in den Sinn, die in den siebziger Jahren im Duo mit ihrem Landsmann, dem Kontrabassisten Arild Andersen, aufgetreten ist. Ähnlich wie Andersen ist Sven Faller von Le Bang Bang Charlie Haden, dem Meister der voluminösen, voller Wärme quasi stehenden Töne verpflichtet. Faller liebt es, schon zu Beginn eines Songs wiedererkennbare Pattern zu etablieren, die der Form gehorchend durchdekliniert werden und so einen breit gefächerten Rückhalt für die mit drängendem Gefühl vorgetragenen, mitunter akrobatischen Vokalexkurse darstellen. Zusätzlich bearbeitet Faller sein Instrument immer wieder auch als Riesen-Cajon und zaubert so raffinierte Perkussionsrhythmen. Beckmesserisch mag man einwenden, dass der stählerne Griff, mit dem er seine Saiten bearbeitet, auch wüstes Schnarren derselben auf dem Griffbrett verursacht und dass das emphatische Engagement von Stefanie Boltz auch als aufgesetzt wahrgenommen werden kann. Doch was soll’s – angesichts der mächtig Laune machenden Orginalität der Musik in einer höchst originellen Besetzung.

Thomas Fitterling, 11.02.2017



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