Eine Soprandiva kehrt zurück zu ihren Ursprüngen. Und das gleich mit ihrer zweiten Solo-CD. Das klingt paradox, aber die Kariere der 36-jährigen Bulgarin Sonya Yoncheva hatte einen bedeutenden Umweg genommen, bevor sie in den letzten Jahren zur Primadonna im lyrischen Opernfach auf allen großen Bühne wurde. Die Musik des Barock und besonders die intensive Lehr- und Zusammenarbeit mit William Christie hat ihr Musikverständnis geprägt, erste Erfolge feierte sie mit Opern von Händel und Monteverdi. Bevor nun die Stimme im neuen Hauptrepertoire zu schwer wird, wollte sie unbedingt noch einmal ihre Stärken als Opera-seria-Heldin dokumentieren. So versammelt die schlicht „Händel“ betitelte Scheibe ohne echtes Repertoireraffinement ein Best-of-Händel – einfach acht der schönsten Arien und zwei Duette aus fünf seiner beliebtesten italienischen Opern sowie dem englischen Oratorium „Theodora“. Ob als Cleopatra, Rodelinda, Agrippina, Almirena, Morgana oder Zauberin Alcina (die sie gern noch auf der Bühne singen möchte): Man hört in meist getragenem Tempo einer hinreißend fülligen, dunkel glühenden Stimme zu, die Wärme und Sinnlichkeit ausstrahlt. Yoncheva malt zwar mit breitem Vokalpinsel, auch unterscheiden sich die Charaktere kaum (was an der fußlahmen, aber kompetenten Begleitung der Academia Montis Regalis unter ihrem Leiter Alessandro De Marchi liegen mag), aber sie gibt dieser Musik Üppigkeit und generöse Geste. Köstlich mischt sie sich zudem mit dem körnigen Mezzo von Karine Deshayes. Und in der Zugabe, Purcells „Tod der Dido“, finden sich dann auch erdig-herbe Färbungen.

Matthias Siehler, 11.02.2017



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