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Dmitri Schostakowitsch, Ludwig van Beethoven

6. Sinfonie

Michael Sanderling, Dresdner Philharmonie

Sony 88875164052
(73 Min., 3 & 8/2015)

130 Jahre liegen zwischen diesen sinfonischen Sechsern, die aus der Feder von Beethoven und Schostakowitsch stammen. Und auch wenn es nichts gibt, was sie allein von der Form miteinander verbinden könnte, entpuppt sich diese Koppelung durch die von Michael Sanderling geleitete Dresdner Philharmonie als äußerst hörenswert. Denn statt ausgeklügelten dramaturgischen Konzepten und hintergründigen Programmen, mit denen man oftmals gegensätzlichen Werken einen halbwegs plausiblen roten Faden einziehen möchte, reicht jetzt nur die Zahl „6“ aus, um die Entwicklung der sinfonischen Gattung anhand zweier unterschiedlicher Wegbereiter zu beleuchten. Während Beethovens „Pastorale“ eben eine fantasiereiche Einladung zu einer Landpartie ist, steckt in der 1939 komponierten Sechsten von Schostakowitsch dieser für ihn typisch aufrüttelnde und aufwühlende Geist. Und dass gerade diese Sinfonie den Dresdnern besonders liegt, wird einem ab dem ersten, riesigen Lamento-Bogen deutlich, mit dem das Werk ansetzt. Klar und intensiv, fernab von pathetischem Melos werden hier geradezu mahnende Bögen in den Klangraum gemalt, die spätestens an dem zweiten Satz von grotesk kreischenden Klarinetten, messerscharfen Streicherkaskaden und irrsinnigem Furor zersetzt werden. Das Orchester unter Sanderling spielt das einfach brillant aus und kommt dabei nie an seine Grenzen: Stets hat man den Eindruck, dass die Musiker noch mächtig nachlegen könnten. Aus einem ganz anderem Holz geschnitzt ist danach naturgemäß Beethovens F-Dur-Sinfonie. Und tatsächlich muss man sich nach dem russischen Paukenschlag erst einmal einhören in diese jetzt gepflegt aus den Fugen geratene Klangwelt. Dieser Eindruck verdankt sich nicht zuletzt einer kammermusikalischen Fokussierung, die gerade im Finalsatz sich zu höchsten Wonnen aufschwingt. Man darf sich schon jetzt auf die geplanten Folgen mit den Zwillingssinfonien von Beethoven und Schostakowitsch freuen.

Guido Fischer, 09.04.2016



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Dem Kommentar nach scheint Ihnen die CD ja gefallen zu haben. Warum dann nur drei Punkte?! Aber davon abgesehen: Wenn die absolut zufällige Nummer in einem Werkkanon jetzt schon das Kriterium für die Koppelung von Werken werden soll, dann steht uns noch einiges bevor. Aber womit koppelt man dann die Sinfonien von Segerstam oder von Hovhaness? Eine harte Nuss für unsere Marketing-Strategen, wenn Sie mich fragen ...




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