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Felix Mendelssohn Bartholdy

Lieder ohne Worte, Rondo capriccioso, Variations sérieuses

Annette Seiler

Musikmuseum/Note 1 MMCD13021
(123 Min.) 2 CDs

Mit lobenden Worten berühmter Komponisten über bestimmte Klaviermarken muss man auch im 19. Jahrhundert ein wenig vorsichtig sein: Die Bindung an einzelne Klavierfirmen war längst nicht so exklusiv wie heute, und da die Entwicklung der Instrumente bis 1850 rasant voranschritt, haben Zitate oft nur eine begrenzte Halbwertszeit. Was Mendelssohn und die Firma Graf betrifft, so ist es jedoch ein Fakt, dass der Komponist in seinem kurzen Leben eine längere gute Beziehung zu dem Wiener Klavierbauer pflegte und Instrumente aus dessen Werkstatt nicht nur gerne spielte, sondern auch mehrfach an befreundete Musiker vermittelte. Für eine Gesamteinspielung der zwischen 1829 und 1844 komponierten „Lieder ohne Worte“ ist der um 1835/1836 entstandene Graf-Flügel des Tiroler Landesmuseums eine sehr gute Wahl. Ausgeglichener als die klangprächtigen Flügel der Konkurrentin Nanette Streicher sowie leichter und eleganter als die schwereren englischen Instrumente der Zeit verbinden sich hier die lyrischen Melodien besonders überzeugend mit der Begleitung durch das säuselnde, sanft plätschernde oder elfenhaft verspielte Figurenwerk. Ein interessanter Effekt, der auf dem modernen Klavier undenkbar wäre, ist der Einsatz des dämpfenden Moderatorzugs, durch den die Einleitung des Moderatos op. 19 Nr. 4 wie ein Vorspiel auf der Gitarre wirkt.
Ansonsten hält sich Annette Seiler – wie auch einst der Pianist Mendelssohn selbst – mit dem Einsatz von Spezialregistern zurück. Auf allzu dramatische dynamische oder agogische Kontraste verzichtend trägt sie die vielfältigen Stücke mit Präzision und Geläufigkeit, aber auch einer feinen poetischen Sanglichkeit dar, deren Unaufdringlichkeit sich besonders beim Durchhören der ganzen Sammlung bewährt.

Carsten Niemann, 18.04.2015



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